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Giordano Brunos unendliche Welten.

in Offtopic Forum 15.06.2011 09:48
von Casanova | 21 Beiträge

Der Traum einer religioesen Erneuerung endete am 17. 2. 1600, als Giordano Bruno in den Flammen des Scheiterhaufens qualvoll den Tod fand. Die Inquisition hatte ihr Urteil gefaellt und nach sieben Jahren, die Bruno im Kerker sass, vollstreckt. Was hatte der 52-jaehrige Philosoph so Aufruehrerisches getan? Giordano Bruno hatte couragiert eine fuer damalige Zeit riskante Vision entworfen. Er behauptete, jede Einzelseele strebe zur hoechsten Hoehe des Denkens und der geistigen Entwicklung, die mit ihrer eigenen Natur vereinbar ist, wobei die gesamte Unendlichkeit bewusster und unabhaengiger Seelen in ein riesiges Ganzes, eine Weltseele, verschmolzen ist.
Giordano Bruno wurde 1548 in Nola/Neapel geboren. Er trat dem Dominikanerorden bei, studierte und revolutionierte schliesslich das bis dahin gueltige Wissen um das menschliche Sein mit seiner Lehre des heliozentrischen Weltbilds ( die Sonne und nicht die Erde als Mittelpunkt der Welt), die die Unendlichkeit des Alls und die Vielheit und Gleichwertigkeit der Weltsysteme mit einschloss. Dies alles waren Behauptungen, die das bis dahin gueltige Weltbild der theologischen, religioesen und politischen Autoritaeten erschuetterten und angriffen. Er musste fliehen (1576) und unterrichtete an den Universitaeten von Genf, Paris, Oxford und Wittenberg. 1591 wurde er in Venedig an die Inquisition verraten.
Brunos panthetischeb Kodmo-Philosophie besagt, die Welt sei Gott, sei Gottes Art zu existieren. Sie ist somit nicht durch Gottes Schoepfung entstanden. Gott ist in allem, ist die Summenformel fuer die Welt, wie die Welt die Entfaltung seines eigenen goettlichen Wesens ist.
Die Behauptungen Giordano Brunos waren ungeheuerlich. Fuer diesen bedeutenden Geist seiner Epoche bestand der Kosmos aus einer unendlichen Vielzahl von Welten. Jede dieser Welten, so vermutete er, bestehe aus allerkleinsten Teilchen, den Monaden. Er griff damit Gedanken, die bereits bei den griechischen Philosophen Euklid (450-370 v.Chr.) und Platon (427-348 v.Chr.) formuliert sind, wieder auf. Die Welten seien also aus einer Unendlichkeit von Monaden zusammengesetzt, von der jede ihrer eigenrn Vollendung zustrebe. Damit kommt Bruno der modernen Quantenphysik erstaunlich nahe. Auch der deutsch Gelehrte Leibniz (1646-1716) entwickelte diese Ideen in seiner Monadenlehre weiter. Ein in sich ruhender seelischer Baustoff durchdringe demnach die Wirklichkeit. Spaeter hat man Bruno vorgeworfen, sein Werk sei deshakb noch mit alten, magischen Elementen verwoben. Gleichwohl konstatiert der russische Wissenschaftshistoriker Alexander Koyre (1882-1964) mit Recht, dass seine Konzeption so fruchtbar und so prophetisch, so rational und poetisch ist, dass wir uns der Bewunderung nicht entziehen koennen. Sein Denken hat die moderne Wissenschaft und Philosophie so tief beeinflusst, dass wir nicht umhin koennen, Bruno einen ausserordentlichen Platz in der Geschichte der Wissebschaft einzuraemen. Photo vom Standbild des Giordano Bruno auf dem Campo dei Fiori in Rom.

Angefügte Bilder:
2011-06-15 09.46.16.jpg
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