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Eliphas Levi und die franzoesischen Okkultisten.

in philosophischer Satanismus 26.03.2011 23:32
von Casanova | 21 Beiträge

Der Materialismus desc19. Jahrhunderts brachte zwei grosse Gegenbewegungen hervor: den Spiritismus und den Okkultismus. Waehrend der Spiritismus mit seinen medialen Kontakten zum Jenseits zu einem Religionsersatz wurde, versuchten die Okkultisten dem nicht Erklaerbaren aus den Traditionen von Hermetik und Magie eine wissenschaftliche Basis zu verleihen. Dabei definierten die fuehrenden Persoenlichkeiten in Frankreich wie Eliphas Levi (1810-1875), Papus (1865-1916) und Stanislas de Guaita (1861-1897) den Okkultismus pseudowissenschaftlich als die Geheimwissenschaft.
Die Werke der Okkultisten sind ueberladen mit geheimnisvollen Bezuegen und unverstaendlichen Andeutungen, die wiederum nachweisen sollen, dass sie selber zu den Eingeweihten gehoeren. Die Behauptung, in Besitz von geheimen Wissen zu sein, steht dabei unbestritten an erster Stelle. Auch das Verwenden von bedeutungsvollen Pseudnymen gehoert dazu. Papus war der Gruender mehrerer geheimwissenschaftlicher Orden und Zeitschriften. Er popularisierte den Okkultismus mit Werken ueber die juedische Geheimlehre der Kabbala, ueber das symbolische Kartenspiel Tarot und ueber Magie.
Levi war der einflussreichste unter den franzoesischen Okkultisten. Er suchte nach einer Verschmelzung des antiken Okkultismus mit der Wissenschaft des 19. Jahrhunderts und der Religion, wobei er sich selbst als Typus des gelehrten Magiers nach den grossen Vorbildern der Renaissance wie Agrippa von Nettesheim (1486-1535) und John Dee (1527-1608) verstand. Seine msgischen Rituale waren nicht einfache Totenbeschwoerungen. Sie sollten eher dazu dienen, die Geister unserer Ahnen und deren Wissen wiederzubeleben. Waehrend eines Besuches in London bei seinem Freund, dem okkultistischen Romancier Edward George Bulwer-Lytton (1803-1873), beschwor Levi mit Hilfe eines Pentagrammrituals beispielsweise den Geist des beruehmten antiken Magiers Apollonius von Tyana (1. Jahrhundert n. Chr.).
Levi lehrte drei grundlegende Gesetze der Magie: 1. Das Gesetz der Willenskraft. Der Wille sei eine materielle Emanation des Menschen, eine reale psychische Kraft, die Dinge bewirkt. Durch magische Rituale soll dieser Wille gesteigert werden. 2. Das Gesetz vom"Astrallicht". Dies sei eine dem Weltaether vergleichbare feinstoffliche Substanz, die das Universum erfuellt. Durch Kenntnis dieser Grundsubstanz wird sie benutzbar. 3. Das Gesetz d er Korrespondenz. Jeder Faktor im Kosmos findet seine Entsprechung im.Menschen. Durch rituelle magische Beschwoerungen, sogenannte Evokationen Anrufung einer hoeheren Wesenheit) koennen diese aesseren Entsprechungen herabgerufen werden.
In seinem Hauptwerk «Dogma und Ritual der Hohen Magie» versucht Levi in blumenreicher Sprache die rituelle Magie wiederzubeleben und mit kabbalistischen und okkulten Lehren zu verschmelzen. An seine beruehmten Vorbilder reichte er allerdings bei weitem nicht heran. Das Werk der franzoesischen Okkultisten entspricht den dekadenten Vorlieben des Fin de Siecle fuer die Abgruende der Seele, fuer Kraefte, die in einer zunehmend technisierten Welt geheimnisvoll dunkel erschienen. Ihre Aktivitaeten stellten auch Motive bereit fuer den literarischen Ausdruck dieser Grundstimmung wie sie sich etwa in den Werken von Joris-Karl Huysmans (1848-1907) und Charles Baudelaire (1821-1867) niedergeschlagen haben.

Angefügte Bilder:
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