#1

Die Schlange

in Lobby 14.08.2016 12:01
von Snake
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Ich beschäftige mich derzeit mit der Schlange und ihre mythologische Bedeutung. Die Schlange ist ja ein Symbol Satans, wegen der Story aus Garten Eden. Bezieht ihr euch in diesem Sinne auch auf Satan als Schlange?

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#2

RE: Die Schlange

in Lobby 14.08.2016 12:36
von RAFA | 1.205 Beiträge

Schon bei Gilgamesch spielt die Schlange eine Rolle in Bezug auf das ewige Leben. Gilgamesch ist unterwegs und sucht das Kraut der Unsterblichkeit. Er findet es (wenn ich mich recht erinnere: auf dem Grund des Meeres) und birgt es. Als er mit dem Kraut am Ufer ankommt, ist er so erschöpft, dass er auch augenblicklich einschläft. In der Zwischenzeit kommt ein sogenannter "Erdlöwe" (das ist eine Schlange) und frisst ihm das Kraut weg. Kaum hat die Schlange das Kraut des ewigen Lebens gefressen, wirft sie ihre Haut ab. (In der Häutung der Schlangen sahen die alten Sumerer einen Unsterblichkeitsprozess: Man wirft einfach die Haut ab und hat wieder eine neue, junge Haut - andauernde Verjüngung = ewiges Leben)

Die Schlange ist also bereits seit grauer Vorzeit ein seltsames Tier, das man mit Unsterblichkeit, Verjüngung und Heilkraft in Verbindung bringt.
Außerdem ist auch bereits seit der Vorzeit irgendwie ein Kraut bzw. eine Pflanze im Spiel.

Die Schlange in der Garten-Eden-Geschichte ist eine völlig "normale" Schlange. Es gibt in der Bibel mindestens 6 verschiedene Ausdrücke für alle möglichen Schlangen, u.a. Basilisk, mystische Vipern oder Halbdrachen, aber in der Garten-Eden-Geschichte ist nur die Rede von einer völlig normalen Schlange, ha nahash - die Schlange - und das ist die Bezeichnung für natürliche, normale Schlangen.
http://www.rafa.at/13schlan.php

Die Schlange saß im Baum oder am Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, der mutmaßlich nicht weit weg wuchs vom Baum des Lebens. Die Idee von der Schlange im Baum kommt aus der sumerischen Mythologie. Da gabs einen Gott Ningishzida, das war "der Herr des guten Holzes", der lebte im Baum - und aus dessen Schultern sprossen je eine Schlange.
http://www.rafa.at/50ningis.php
Der Gott des Baumes mit seinen Schlangen war dem Menschen wohl gesinnt. Er bemühte sich, für den Menschen (Adapu) bei Gott Anu das ewige Leben rauszuschinden, was ihm aber nicht gelang.
Es ist eine Versinnbildlichung der Heilkraft und des Gesundheitswesen, das das Leben des Menschen verlängern soll. Die Aktion ist bis heute zum Scheitern verurteilt, weil jeder Mensch trotz aller Heilmittel trotzdem irgendwann stirbt, insofern wohnt der Geschichte ein etwas zwielichter Gedanke bei. In der Tiefe seiner Seele verurteilt der Mensch den heilenden Gott und ist ihm böse, weil er es mit ihm doch nicht bis zum ewigen Leben schafft. Aufgrund der Dankbarkeit über die Heilkraft überhaupt ergibt der Umstand das Dadurch-doch-nicht-ewig-lebens einen Konflikt in der Seele des Menschen nach der Sorte: "Du hast mir versprochen ...! Und jetzt?!" -> die Lüge ist geboren!

Die beiden Schlangen aus den Schultern des wohlwollenden Baumgottes wurden dann später zum Aeskulap. Die paradiesische Schlange hockt also auch heute noch in unseren Straßen an jeder Ecke, nämlich an der nächsten Apotheke

Die beiden Schlangen aus den Schultern wurden aber auch zum Sinnbild des Bösen: In der persischen Mythologie (im Schanahmeh) gibt es die Legende von Ahriman , der als Koch beim König diente und mit diesem dann einen Pakt schloss. Nach der einen Legende hatte der Koch Ahriman an jeder Schulter einen lebendigen Schlangenkopf, der mit Menschen gefüttert werden wollte, so dass der König jeden Tag dem Ahriman einen Menschen opferte, um seine Schlangen zu füttern - nach einer anderen Legende wachsen dem König selbst die Schlangen aus den Schultern und König und Ahriman verschmelzen zu eins, dem Azi Dahaka.
Die Figur gleicht dem Ningishzida, ist jedoch jetzt eine böse und grausame Figur.

Die Idee der Schlange im Baum, das Wohlwollen der Heilkraft und der Fail des dadurch nicht erreichten, ewigen Lebens floss in die Genesis ein. Es versteht sich, dass es - außer Ningishzida, Anu oder später Ahriman aka Azi Dahaka - sich um ganz normale, natürliche Wesen handeln sollte (normale Menschen, normale Bäume, normale Tiere), einfach um Schlangen als solches. Eine Schlange. Irgendeine Schlange.

Erst im neuen Testament wird die Garten-Eden-Geschichte dann so interpretiert, dass es sich nicht um eine Schlange, sondern irgendwie um den Satan handelte, der die Menschen zu diversen Taten bewog. Der Satan spricht aus der Schlange, spricht durch die Schlange, die Schlange ist gar der Satan selbst, drum kann sie sprechen ... alles ziemlicher Humbug, aber so wird es halt dann im NT auch geglaubt und man nennt den Satan sogar "die Ur-Schlange".
Definitiv: Im Christentum gilt der Satan als eine Schlange, die gespaltene Zunge wird als Lügenmaul interpretiert.

Da das alles Blödsinn ist, kümmere ich mich nicht weiters um Schlangen. Wenn ich mal Zeit hab, forsche ich da vielleicht weiter, allein Ahriman zuliebe, wegen seiner Schulter-Schlangen, ansonsten interessiert mich das Schlangentum recht wenig.


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#3

RE: Die Schlange

in Lobby 14.08.2016 13:03
von Walküre
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Die Schlange als ein Symbol Satans, ist u.a. christliche Interpretaion. Schaut man sich jedoch das Hebräische Wort für Schlange (Nahash) mal etwas genauer an, dann kann die richtige Bedeutung zu einem Mysterium werden.
Nahash bedeutet übersetzt soviel wie "Entziffern".

Ägypten hatte in vordynastischer Zeit (v. 3000 v. Chr.) als Hauptreligion den Kult um Isis, Osiris und Horus. Zu dieser Zeit soll sich angeblich auch die Geschichte um Garten Eden datieren. Die Schlange (Kobra) galt zu dieser Zeit als Symbol für Weisheit und Erkenntnis, wobei sie auch ein Symbol der Göttin Isis war. Viele Götter und Pharaonen trugen sie auf der Stirn als Diadem.

Der Mensch war wohl laut AT im Paradies lediglich eine Art Befehlsempfänger, wobei er nichtmal zwischen gut und böse, wahr und unwahr zu unterscheiden in der Lage war (unmündig?).
Der Gott des Alten Testamentes verbot Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis zu essen.
Die Schlange aber sprach: Hat "Gott" wirklich gesagt, von allen Bäumen der Erkenntnis dürft ihr nicht essen? Dann sagte die Schlange: "Keineswegs werdet ihr sterben! Sondern "Gott" weiß, dass an dem Tag, an dem ihr davon esst, und ihr sein werdet wie Gott, erkennend Gutes und Böses."
Im Gegensatz zum Gott des AT lügt die angeblich so listige und böse Schlange in keinster Weise. Sie brachte Adam und Eva Weisheit und Erkenntnis. Wer diese Schlange aber jetzt mit Satan gleichsetzt, ist wieder den christlichen Interpretation voll aufgesessen.

Adam und Eva wollten aus Lust und Ekenntnisgewinn vom Baum der Erkenntnis essen, nicht aus Bosheit. Aus Liebe und Freude wollte Eva Adam ebenfalls am Erkenntnisgewinn teilhaben lassen. Dadurch wird ihnen zum ersten Mal indirekt offenbart, dass sie die Fähigkeit der Schöpfung (Zeugungmacht) selbst besitzen. Sie können nun unabhängig von diesem Gott selber etwas göttliches erschaffen und zwischen Gut und Böse unterscheiden. Die Wege zur Selbstverwirklichung stehen ihnen offen. Die Göttin der Weisheit (Schlange) brachte ihnen die Weisheit und Erkenntnis.

Doch dann kam der Tyrann wieder zurück, der sich Gott nannte und zeigte sein wahres Gesicht: Er fragt heuchlerisch nach dem Verbleib des Menschen. Als er dann hört, dass sie vom Baum der Erkenntnis gefuttert haben, erliegt er seiner Wut und seinen Verdammnis-Urteilen, die ihn als Lügner überführen. Er sagt: "Siehe, der Mensch ist geworden wie einer von uns, zu erkennen, Gutes und Böses. (womit er mit dieser Aussage der Schlange die Wahrheit erteil) Und nun, dass er nicht etwa die Hände ausstrecke und auch noch vom Baum Lebens esse und ewiglich lebe!"
Die Worte dieses "Allwissenden" wirken verdammt verdächtig als er sagt: "und er trieb den Menschen aus und ließ östlich vom Garten Eden die Cherubin sich lagern und die Flammen des zückenden Schwertes, den Baum des Lebens zu bewachen. "
Zuvor hat er den Mann und die Frau zu harter Arbeit verdonnert und jene angeblich böse Schlange zum Staub kriechen verflucht.

Diese Urteile lassen den monotheistisch glaubenden Menschen bis heute unter einen Mühlstein der Ursünde leben.

Übrigens galt nicht nur in Ägypten die Schlange als Symbol der Weisheit, auch in Ur-Babylonien, Kanaan und in Indien galt sie als heiliges Tier und als Symbol lebensspender Götter. Man kann fast sagen, überall wo auf der Erde Hochkulturen sich befanden, galt die Schlange als heilig.
Im Hebräertum, Christentum und auch im Islam, also den ganzen Jahwe geprägten Religionen galt sie seit jeher als Zeichen des Bösen oder des Unheils. So wurde fortan das Zeichen der Schlange zum Symbol für den Teufels.

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#4

RE: Die Schlange

in Lobby 14.08.2016 13:11
von RAFA | 1.205 Beiträge

Zitat von Walküre
Die Schlange als ein Symbol Satans, ist u.a. christliche Interpretaion. Schaut man sich jedoch das Hebräische Wort für Schlange (Nahash) mal etwas genauer an, dann kann die richtige Bedeutung zu einem Mysterium werden.
Nahash bedeutet übersetzt soviel wie "Entziffern".


Nahash ist übrigens auch im indoarischen Raum der Begriff für die Schlange und es gibt dort entsprechende Götter, die "Nagas"
http://www.rafa.at/11_n.php


www.RAFA.at
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#5

RE: Die Schlange

in Lobby 14.08.2016 13:51
von kein Name angegeben • ( Gast )
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Zitat
Bezieht ihr euch in diesem Sinne auch auf Satan als Schlange?




ja auch, aber die schlange wird auch oft als Eva gesehen.

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