#1

Wille

in Brabbelecke 24.06.2011 20:23
von Xarvic | 533 Beiträge

Mir ist eben eine interessante Idee gekommen, als ich das Verlangen nach einer weiteren Zigarette verspürt habe: dem allgemeinen Konsens nach führen wir ja dann etwas aus, wenn wir ungehindert dem Verlangen nach etwas nachkommen können. Daher auch die Idee der Determination (Verlangen führt ohne Hindernis direkt zur Umsetzung). Jetzt kann man sich immer wieder irgendwelche Hindernisse einbauen, wie etwa sich zu sagen, Rauchen kostet Geld, geht auf die Gesundheit etc. um das Verlangen nicht mehr zur Tat führen zu lassen. Ich habe also in meinem "inneren Raum" mein Verlangen, jetzt gerade aber kein wirkliches Hindernis, da diese meiner Meinung nach kein Grund sind, mir den jetzigen Genuss zu versauen. Trotzdem habe ich mich dagegen entschieden. Also, nicht dagegen, sondern nicht dafür. Ich will hier unterscheiden zwischen nicht dafür und dagegen, weil dagegen ja wieder ein dafür ist und ich nicht das klassische 0-1 Wertungssystem anlegen will. Meine Idee ist folgende:

Kann man vielleicht nur Bedürfnisse wahrnehmen (die einen zu Entscheidungen drängen können), aber nicht die Entscheidung, sich nicht dafür zu entscheiden? Ich meine, wir sind Menschen und haben Befürnisse, die nehmen wir ja auch wahr. Ich will Kippe, ich dreh mir eine und rauche sie, Punkt. Alles, was in meinem Fokus liegt, ist das Bedürfnis, denn das kann ich ja immerhin emotional wahrnehmen. Wie ist es aber mit einer Entscheidung "dagegen" im Sinne von nicht dafür? Kann ich mir der Möglichkeit einer Entscheidung bewusst werden, ohne, dass diese einen Emotionalen background hat? Ich kann mir gut vorstellen, dass das alles grad etwas verwirrt klingt, aber ich versuche hier nicht, irgendwas ordentlich durchdachtes niederzuschreiben, sondern lediglich ein spontanes Erlebnis wiederzugeben. Es war weder die Entscheidung, Anstrengung darein zu legen, jetzt eine zu drehen, noch die Entscheidung, keine zu drehen. Es war wie der Wegfall einer Entscheidung, ein Jenseits von dafür und dagegen, mit dem offensichtlichen Ergebnis, dass ich gerade tippe und nicht rauche.

Ich versuche mir auch gerade selbst zu erklären, was grad passiert, weil ich ehrlich gesagt keine wirklichen Worte dafür habe, es widerspricht einfach meinem klassisch logischen Weltbild


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#2

RE: Wille

in Brabbelecke 25.06.2011 15:56
von Sicarius | 214 Beiträge

Hi Xarvic
Dein wahrnehmendes und denkendes Ich ist nicht verantwortlich für alles was du tust. Einen Großteil der Entscheidungen trifft das Unbewusste für dich. Eine mögliche Erklärung wäre zum Beispiel eine latente Homosexualität und dein unbewusstes Verlangen diese zu unterdrücken, weshalb der an Fellatio erinnernde Akt des Zigarette Rauchens dir in diesem Moment nicht gefallen will. Womit ich dir nichts unterstellen, sondern nur verdeutlichen will, welch eine Vielzahl an Erfahrungen und Konditionierungen etc. für unser alltägliches Handeln von Bedeutung sind.

In einem Buch von '88 steht, dass wir 10.000 Sinneseindrücke pro Sekunde wahrnehmen, bewusst nimmst du aber vielleicht nur ein Kratzen am Sack, eine wohlbekannte Stimme im Kopf und einen bedrohlich niedrigen Nikotinspiegel wahr. Die restlichen over 9000 Sinneseindrücke verschwinden aber nicht einfach, als hätte es sie nie gegeben, sie determinieren deine Handlungen nur eben auf unbewusster Ebene.


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