#16

RE: The Devil

in Lobby 03.01.2016 21:02
von Thüringer Rostbrätel | 60 Beiträge

Zitat von Liu im Beitrag #14
Das ist aber nicht unbedingt eine zurvanistische Neuerung; zumindest Darstellungen von Menschen (teils mit Tierköpfen), umgeben von Schlangen und Löwen, gabs schon ein, zwei Jahrtausende früher in der Gegend.


Interessant wäre es da zu wissen, ob die Schlangen und Löwen da die selbe symbolische Bedeutung hatten wie zu der Zeit der Zurvanisten, oder ob diese die alten Figuren und Symbole neu interpretiert haben. Existierte die symbolische Bedeutung der Schlangen bereits, wofür ähnliche religiöse Inhalte im indogermanischen, nahöstlichen und indischen Raum sprechen, dann gilt das vermutlich auch für die philosophische Untermauerung, die Inder haben es bei ihren Göttern ja ganz ähnlich gemacht.

Zitat
Bei den Zurvanisten kann ich mir ja sehr gut vorstellen, dass das Ganze auch philosophisch untermauert war, aber bei sehr vielen Mythen anderer Völker halte ich die manchmal vertretene Annahme, dass diese alle auf irgendwelchen Archetypen basieren würden, für etwas kurzgegriffen; beispielsweise scheinen manche stattdessen konkrete historische Ereignisse symbolisch nachzuerzählen (bei denen Götter dann eben zum Beispiel für bestimmte Völker oder Städte stehen, von denen eins das andere besiegt hat). Und selbst wenn sich archetypenhaftes Denken in den Mythen findet, dann bezweifle ich dennoch, dass das den Menschen damals klargewesen ist; für die meisten wird es doch nur Tradition und leere Götzenbilder gewesen sein, ohne die Symbolik dahinter zu verstehen.



So etwas gab es natürlich auch sehr häufig, zum Beispiel in Indien und Japan gibt es heute auch noch Gottheiten, die nur für einen bestimmten Ort zuständig sind, aber auch da werkeln die Archetypen, zb bei Berggottheiten. Interessant wäre es auch zu erfahren wie eine bestimmte Gottheit zum Stadtgott geworden ist, vielleicht weil jemand der viel Geld hatte, ein Tempel bauen ließ, die Herrscher diese Gottheit verehrten und diese Verehrung für die Stadtbevölkerung festlegten oder weil sie sich aus dem örtlichen Volksglauben herausgebildet hat und als lokaler Naturgeist (zum Beispiel einer Quelle oder einer Felsenhöhle) den Siedlungsort der Stadt von der sie umgebenden Wildnis abgrenzt, dieser Gott war dann lokal, weil er nicht mit dem Glauben der Nachbarorte zu vereinbaren war, die vielleich einen Stier oder so etwas Ähnliches angebetet haben. Auch in Deutschland haben wir derartige lokale mythische Wesen, die an Rathäusern, Brunnen, Felsenhöhlen, Bräuchen und in Wappen verewigt sind.

Häufig war es aber auch wie heute im Nahen Osten, dass einfach ein kriegerisches Heer eine Stadt erobert hat und dort ihren Stammesgott zum Stadtgott machte, der fortann auch die Stadt beschützen sollte. Führten dann zwei solche Heere Krieg gegeneinander, wurde dann die Religion des Verlieres ausgemerzt oder mythisch der Religion des Siegers untergeordnet, was dann natürlich bedeutet, dass ein politischer oder gesellschaftlicher Inhalt einen philosophischen Inhalt ersetzt oder verfälscht hat, aber das war oft so, Religion war trotz ihres hohen Anspruchs immer auch ein Teilgebiet der profanen Politik und diverser Konflikte, bei denen es darum geht wer sich gegen wen durchsetzt und nicht wer dem philosophisch tiefsinnigeren Kult nachgeht.

Auch gab es damals (wie heute auch) überwiegend viele geistig eher flache Menschen, die zu tiefsinnigen Gedanken nicht fähig waren, die konnten dann entweder die Götter Anderer kopieren und ihre Lehre vereinfachen, oder sich halt selbst etwas aus Ton kneten, und weil sie sowas schon mal wo anders gesehen haben, eine Schlange der Figur hinzufügen. Die akkadischen Mythen wurden von den hebräischen Monotheisten auf eine ähnliche Weise versimpelt, sicher aber war der Monotheismus auch Teil einer Rebellion gegen das ganze faule Gezauber, die vielen Tonfigürchen und die geistige Verflachung der Gläubigen, schließlich wendet er sich ja gegen Götzen und gegen Aberglauben, also gegen diese Verflachung des religiösen Inhaltes, was ihn selbst natürlich nicht davor geschützt hat, wie wir alle wissen.

Derartigen Unmut der Intelligenz über den primitiven Glauben des Plebs gab es aber wie gesagt schon vorher in Persien und mit Sicherheit auch schon viel früher und an anderen Orten, trotzdem waren Personifikationen, Geschichten und Symbole der beste Weg, um damals philosophische Gedanken zu verbreiten und sie davor zu bewahren, mit der Zeit vergessen zu werden. So hatte auch der dumme Gläubige trotz seiner naturgegebenen Doofheit einen Nutzen, nur konnte der damit genau wegen seiner Doofheit nunmal wenig anfangen und nur auf seiner eigenen geistigen Ebene mit Götterbildern umgehen, wodurch er auch Einfluss auf ihre Gestaltung und Entwicklung nahm, so wie diese künstlerisch eher unbegabte Frau, die versucht hatte dieses Jesusbild zu restaurieren.

Eine kulturelle Verwitterung war also der Preis des Ganzen, der Philosoph kann noch so gebildet und intelligent sein und seine Gedanken noch so unmissverständlich und vereinfacht ausdrücken, es wird ihm wenig nützen, wenn sein Publikum nicht die geistigen Voraussetzungen hat, um seine Gedanken unverfälscht und in gleicher Qualität weiter zu verbreiten. Ein Schimpanse kann mit Fingerfarben malen, aber er wird nie die Mona Lisa originalgetreu kopieren können, vielleicht wird er überzeugt sein das geschafft zu haben, aber er kann es nicht und was er produziert, ist nicht das Selbe wie das Original. Auch wird er stets seinen eigenen Kram und seine eigenen Vorstellungen der Kopie hinzufügen, es kann also zusätzlich zu all dem Geschmiere passieren, dass um die Schimpansen-Mona-Lisa herum auch noch Bananen und ein Gesäßabdruck auftauchen. Ein Betrachter, der nie ein anderes Bild der Mona Lisa gesehen hat, steht dann vor der Schwierigkeit zu erkennen was Kunstwerk ist und was Schimpanse, vielleicht sagt er einfach auch, dass dieses Geschmiere Müll ist und wirft es weg, was ab einem gewissen Grad der kulturellen Verwitterung natürlich verständlich ist, wenn die Information ihre Haltbarkeit überschritten hat.

Zusammengefasst gibt es also vier Möglichkeiten:

1. Philosophische Gedanken wurden zu gedankenlosem Aberglauben=Glaube
2. Ursprünglich gedankenloser Aberglaube=Glaube wurde in einer religiös geprägten Kultur philosophisch unterfüttert
3. Gedankenloser Aberglaube=Glaube blieb gedankenloser Aberglaube=Glaube
4. Sowohl als auch, eine Kombination aus Punkt 1 und 2 und dessen Nebeneinander mit Punkt 3

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zuletzt bearbeitet 04.01.2016 03:37 | nach oben springen


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