#1

Liebe = Selbstveretzung/Selbstaufopferung ein muss?

in Offtopic Forum 27.02.2011 11:07
von Agony | 185 Beiträge

Guten Morgen.

Ein Beispiel hat mich dann hinterher zu diesem Gedanken geführt der im Threadtitel steht. Erstmal das Beispiel:

Y ist in X verknallt, X will aber nicht mehr als nur eine normale Freundschaft von Y. Nach einem (einer Art) Streit sagen beide:"Wir reden erstmal eine bestimmte Zeitlang nicht mehr miteinander. Vorher nur wenn wirklich Not am Mann ist." Die beiden gehen dann also bis Datum A getrennte Wege.
Z (ein gemeinsamer Freund) veranstaltet ein Treffen - X und Y lesen davon. X weiß noch nicht ob es dort erscheint, sagt also mit einem großem(!) vielleicht zu. Y will vorher wissen wer alles kommt. Z kann ihn darüber keine Auskunft geben, weil es ein Treffen ist "Wer kommt der kommt, wer nicht der kommt halt nicht." und hat nur die Info rausgehauen wo und wann. Y sagt dann das die Wahrscheinlichkeit(!) zu groß ist das X da auftaucht und es beschliesst deswegen nicht zu kommen, nebenbei ist es noch eingeschnappt weil es keine Auskunft erhalten hat wer da aufschlägt.
Fazit: Y lässt sich einen vermutlich schönen Abend vergehen, nur wegen der Wahrscheinlichkeit das X da auftauchen könnte.

Da entdeckt man doch schon, meiner Meinung nach, einen der weit verbreiteten Denkfehler: Nur weil man am selben Ort, zur selben Zeit ist muss man nicht miteinander reden oder anderweitig Beachtung schenken. Man sollte nur darauf achten nicht unbedingt gegenüber oder daneben zu sitzen, fertig. Aber anscheinend raffen das einfach viele Menschen nicht. Ich verstehe es auch nicht, wenn ich ehrlich. Es ist ein allgemeines Treffen von mehreren Personen - soll man mit anderen reden/sich beschäftigen.

Zum anderen: Y hat momentan große Probleme. X mit B darüber getextet das es sowas schwachsinnig finde (sich wegen einer einzelnen [nochmal in einer Zahl: 1] Person sich einen schönen Abend versauen lassen) daraufhin meint B das X noch nie so wirklich verliebt gewesen sein muss, weil X das ja nicht nachvollziehen kann wegen einer Person irgendwo nicht hin zu gehen.

Nach kurzer weiterer Aufregung kam ich zu dem Schluss das Liebe, ob man nun zusammen ist oder nicht, die Gefühle einseitig oder beidseitig sind ist egal, immer etwas mit Selbstaufopferung, ggf. Selbstzerstörung von kleinen Sachen bishin zum Exitus fast sogar eine Pflicht ist. Ansonsten heißt es man sei nie verliebt oder könne das gar nicht.
Man sieht es ja auch oft in Filmen - Protagonist wirft sich vor die Liebste nur um sie zu retten oder achtet gar nicht mehr auf seine eigene Bedürfnisse und macht sich so selber psychisch/physisch total fertig bis er nicht mehr kann.


Ich denke ihr wisst alle was ich meine und ja, wie man vielleicht merkt habe ich diesen Thread auch dazu genutzt mich auszukotzen.

Zum Abschluss noch ein kurzer Auszug aus dem Buch "Halt den Mund, hör auf zu heulen und lebe endlich!" von Larry Winget zum Thema Liebe/Beziehung:

Zitat
Der Mythos der Ehe ist, dass wir in vollkommender Harmonie vereint werden: zwei Hälften, die schließlich vereint werden, um ein Ganzes zu werden. Was für ein irreführender Quatsch! Zwei Menschen werden in dem Mythos vereint, dass sie, wenn sie lediglich ein gemeinsames Konto hätten und wenigstens einen Namen teilen würden, glücklich wären.
Wir müssen lernen, starke unabhängige Individuen zu sein, die absolut dazu in der Lage sind, allein zu sein, bevor wir es überhaupt in Betracht ziehen können, uns mit einer anderen Person zusammenzutun. (Und auch dann sollten wir immer noch getrennte Bankkonten und wahrscheinlich sogar auch den eigenen Namen behalten!



Und:

Zitat
In jeder Beziehung müssen Sie die Individualität aufrechterhalten. Die meisten Beziehungen berauben die Menschen ihrer Individualität. Sie nehmen sich zwei Menschen und verwandeln sie in eine Einheit. Beziehungen zwingen uns in die Rolle, zwei Hälften zu sein, statt zwei Ganze, die sich treffen, um sich an ihrer Ganzheit zu erfreuen.
Wenn wir an eine Beziehung mit einer anderen Person treten, dann weden wir ein Paar. In vielen Fällen ist das genau das, was wir werden: ein Paar schwacher kleiner Menschen, die darum kämpfen, durch das Leben einer anderen Person zu entdecken, wer wir sind.
Wir verlieren uns irgendwie in diesem dunklen Abgrund der Pronomen "sie, ihnen, wir und uns". Es ist interessant, wie wir für den Rest der Welt nicht länger wir selber sind, weil wir jetzt ein Paar sind. Mache würden sagen:"Wie süß." Ich sage:"Wie krank." Es ist genau diese Art des Denkens, die viele Leben ruiniert. Wir verlieren, wer wir wirklich sind, um zu dem zu werden, was sie sind.



Lg Agony


Wenn sie doch auf den Kanzeln nicht immer von Verführung und bösen Beispielen predigen wollten! Der schlimmste Verführer wohnt in den Menschen selber, und Satan braucht nicht erst von außen anzupochen, weil er mit ihnen, in ihnen geboren wird.
Fritz Reuter

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#2

RE: Liebe = Selbstveretzung/Selbstaufopferung ein muss?

in Offtopic Forum 27.02.2011 11:16
von Coph Nia | 26 Beiträge

Man sollte zwischen Liebe und Verliebtheit unterscheiden, die oft miteinander in einen Topf geworfen werden. Während Liebe zugleich auch ein Zustand ist, der auf Kommunikation, Verständnis und gegenseitiger Erkenntnis beruht (Man lese hierzu: Erich Fromm: Die Kunst der Liebe), so sind verliebte Menschen potentiell unzurechnungsfähig. Sie gleichen Yunkies, die auf Entzug sind, wenn sie sich nicht sehen. Deshalb gehen frisch verliebte Päarchen einem ziemlich auf den Sack. Die von Dir geschilderten X und Y haben sich vollkommen richtig geeinigt, wenn sie zur Rettung ihrer Freundschaft einige Monate nicht sehen. Das beste Mittel gegen die Verliebtheit ist neben der Konzentration auf das Objektive der radikale Bruch, der auch aus eigener Erfahrung gesehen "Wunder" bewirken kann. In dem Sinne kann ich es auch verstehen, wenn eine gemeinsame Party zum Problem wird. Ein aus der Entzugsklinik entlassener Junkie braucht auch erstmal seine Zeit, um sich mit seinen Drogenfreunden wieder zu treffen, ohne der Versuchung des Stoffes zu erliegen. So ist es auch bei Verliebten. Sie sind gerade dann aufeinander fixiert, wenn sie nicht miteinander kommunizieren, weil dann was Ungeklärtes im Raum steht. Das einzige Mittel ist wirklich der cut.

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#3

RE: Liebe = Selbstveretzung/Selbstaufopferung ein muss?

in Offtopic Forum 27.02.2011 12:20
von Daelach | 1.211 Beiträge

naja, einseitige Verknalltheit ist immer was Ätzendes, zumal der Satz "laß uns doch Freunde bleiben", wenn er von einer Frau gesprochen wird, auf deutsch soviel heißt wie "ich will Dich einfach nur aus meinem Leben streichen, am besten gehst Du einfach sterben".

Andererseits gebe ich Coph Nia recht, daß Liebe nicht Verliebtheit ist. Eigentlich merkt man erst, wenn die Verliebtheit weggeht, ob denn auch Liebe darin war. Wenn es eifnach nur Verknalltsein ist, ohne daß das Interesse gerade wegen großer Gemeinsamkeit entstanden ist, dann ist das Objekt des Verknalltseins letztlich austuaschbar, und dann trifft der Spruch zu "nichts tröstet so gut über ne Ex her wie die Nächste". Um den Preis freilich, daß man damit nie was Dauerhaftes hinbekommen wird. Nicht jedenfalls in der heutigen Gesellschaft, in der Eheleute keinen sozialen Skandal bei einer Trennung mehr zu befürchten haben. DAS (und aus Sicht der Frau neben der Schande auch die drohende Armut) war es schließlich, was viele Leute früher motiviert hat, die Durststrecke nach Ende der Verliebtheit zu überstehen.

Ob man sich zu gewissem Teil aufgibt? Ja, sicherlich, das liegt in der Natur der Sache. Beide Partner verändern sich. Insofern verlieren sie einen Teil der Individualität, gewinnen dafür jedoch die Möglichkeit zur Begegnung und zum gegenseitigen Verstehen, was dann auch schon das beste ist, was uns diese Existenz als Ausweg aus der Einsamkeit bietet.

Sich für den/die Geliebte(n) aufopfern? Ebenfalls: Ja, sicherlich. Wenn's nur die üblichen Schmetterlinge im Bauch sind, die lassen sich ersetzen mit dem/der Nächsten. Aber wenn man eine weit tiefere Verbindung miteinander hat, dann ist das nicht ersetzbar. Ich würde es in so einer Lage auch vorziehen, mein Leben zu riskieren als allein zurückzubleiben. Weniger aus Mut, sondern weil die Aussicht auf den (ohnehin unvermeidlichen) Tod für mich das kleinere Übel wäre. Wenn man schon nicht gemeinsam leben kann, dann zumindest gemeinsam sterben. "Keiner bleibt zurück", wie es bei Black Hawk Down in anderem Zusammenhang so schön heißt.

Und mit dieser Denkweise bin ich nicht allein; seht Euch nur mal auf den Friedhöfen um. Die Grabsteine erzählen nur durch ihre Daten oftmals solche Familiengeschichten.

Man mag sich fragen, wieso man sich überhaupt auf sowas einlassen sollte; ist es nicht viel sicherer, es nicht zu tun? Ja, ist es. Aber meiner Meinung nach ist es den Preis wert.

Was es ist

Es ist Unsinn,
sagt die Vernunft.
Es ist, was es ist,
sagt die Liebe.

Es ist Unglück,
sagt die Berechnung.
Es ist nichts als Schmerz,
sagt die Angst.
Es ist aussichtslos,
sagt die Einsicht.
Es ist, was es ist,
sagt die Liebe.

Es ist lächerlich,
sagt der Stolz.
Es ist leichtsinnig,
sagt die Vorsicht.
Es ist unmöglich,
sagt die Erfahrung.
Es ist, was es ist,
sagt die Liebe.

Erich Fried



Und noch was von Nietzsche:

Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber immer auch etwas Vernunft im Wahnsinn.


~ a star is nothingness disguised as light ~

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#4

RE: Liebe = Selbstveretzung/Selbstaufopferung ein muss?

in Offtopic Forum 27.02.2011 16:23
von Agony | 185 Beiträge

Ja, Liebe ist nicht gleich Verliebtheit, solange die Honey Moon Phase (so nenne ich sie einfach gerne) anhält. Das will ich auch gar nicht in einen Topf werfen.

Zitat von CN
Die von Dir geschilderten X und Y haben sich vollkommen richtig geeinigt, wenn sie zur Rettung ihrer Freundschaft einige Monate nicht sehen.



Ja, mal sehen was dann geschieht wenn das Datum wo die beiden wieder miteinander "reden dürfen"...

Zitat von CN
Das beste Mittel gegen die Verliebtheit ist neben der Konzentration auf das Objektive der radikale Bruch, der auch aus eigener Erfahrung gesehen "Wunder" bewirken kann. In dem Sinne kann ich es auch verstehen, wenn eine gemeinsame Party zum Problem wird.



Ich kann verstehen das man da nicht ganz unbefangen an die Sache ran geht. Das ist klar. Ich kann es aber nicht wirklich verstehen, weil es, sogar als das Treffen schon angefangen hatte, immernoch nur eine Sache des Zufalls war ob X an diesem Abend auftaucht. Y hätte ja hingehen können und X wäre gar nicht aufgetaucht. Y hätte sich einen schönen Abend gemacht (was es auch braucht) und fertig wäre es gewesen. Y hätte auch hingehen können und wenn X aufgetaucht wäre auch wieder gehen. Und wie gesagt, nur weil man am selben Ort ist muss man immer noch mit einander reden - es waren ja mehrere Personen da.
Vielleicht tue ich mich auch einfach etwas schwerer damit, weil es einmal um eine reine Wahrscheinlichkeit ging, zum anderen es kein geplantes Treffen war zwischen X und Y (Wer da ist ist da, wer nicht da ist ist nicht da, wenn X und Y beide unabhängig voneinander entscheiden dahin zu gehen sind sie halt beide da) und ich mir denke das ich mir durch sowas keinen potenitellen schönen Abend versauen lassen will bzw. es zumindest zu versuchen, wenn man merkt es geht halt nicht kann man ja auch wieder abhauen. Für mich ist es etwas anderes, wenn ich weiss das die Person 100% da sein wird oder nur zu einer x Wahrscheinlichkeit.

Zitat von Dae
Ob man sich zu gewissem Teil aufgibt? Ja, sicherlich, das liegt in der Natur der Sache. Beide Partner verändern sich. Insofern verlieren sie einen Teil der Individualität, gewinnen dafür jedoch die Möglichkeit zur Begegnung und zum gegenseitigen Verstehen, was dann auch schon das beste ist, was uns diese Existenz als Ausweg aus der Einsamkeit bietet.



Gegen den gewissen Teil sage ich nichts, wie du zurecht sagst ist das ja völlig normal.

Zitat von Dae
Ich würde es in so einer Lage auch vorziehen, mein Leben zu riskieren als allein zurückzubleiben.



Dann lieber alleine zurück bleiben, auch wenn es anfangs zurecht sehr schwer fallen würde wieder Boden unter den Füssen zu kriegen. Ich halte einfach wenig davon mich für jemanden völlig aufzuopfern. Zumal Leben riskieren für den anderen nicht automatisch heisst das derjenige dann auch wirklich gerettet ist, am Ende sterben beide.
Wobei ich mir auch gut vorstellen kann das auch einfach eine Art Reflex sein kann - wenn ein Freund/Partner neben dir herläuft und dieser ausrutscht versuchst du ja auch sofort den Fall zu stoppen.

Zitat von Dae
Weniger aus Mut, sondern weil die Aussicht auf den (ohnehin unvermeidlichen) Tod für mich das kleinere Übel wäre.



Klar ist er unvermeidlich, aber sich dann einfach reinstürzen?

Vielleicht bin ich auch einfach nur zu geschädigt von dem schnulzen Scheiss. "Oh, Mausepüpschen, weil du all dein Hab und Gut für mich geopfert hast will ich dir unendliche Liebe schwören." ^100


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Fritz Reuter

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#5

RE: Liebe = Selbstveretzung/Selbstaufopferung ein muss?

in Offtopic Forum 27.02.2011 16:29
von Coph Nia | 26 Beiträge

Alles ganz richtig. Es kommt noch der Faktor des sozialen Drucks hinzu. Vom Freundeskreis, von der Familie, von den Medien etc. wird ein enormer Druck auf das Individuum ausgeübt, dass es unbedingt eine Freundin haben (!) muss, dass man seinen Partner als "seins" ansieht oder dass man diese oder jene Rolle zu erfüllen hat. Dieser Druck kommt selten offen zur Sprache; er kann durch Sätze wie "Hast Du schon eine Freundin?" , "In Deinem Alter muss man doch eine Freundin haben" oder "Wir alle haben schon drei Beziehungen, Du noch nicht." Auch Wünsche seitens der Familie, Enkel haben zu wollen oder der Ego-Aspekt, sich dadurch aufzupushen, tragen zu bestimmten Verhaltensweisen bei. Aber natürlich ist jeder derzeitige Bürger ein kompletter Individualist, der komplett autonom handelt. ;-)

Es ist nicht unnatürliches, keine Freundin zu haben. Es ist ebenso wenig unnatürlich, sich auf eine Partnerin zu beschränken. Beziehungen setzen wie alle Entscheidungen ein Wozu? voraus, kein Warum?.

PS Agony: Du scheinst ja sehr involviert in die ganze Geschichte zu sein. Mich persönlich interessiert es nicht. ;-) Aber frage an Dich: Wozu setzt Du dich mit X und Y so intensiv auseinander? Das ganze lässt die Vermutung aufkommen, als seiest Du mit X identisch und fragst Dich, was Y bewegt. Und ich kann auch aus eigener Erfahrung sprechen, dass es manchmal nen Cut geben muss. Und selbst die geringste Wahrscheinlichkeit, jemanden zu treffen, kann einen in alte Verhaltensmuster und emotionale Krisen zurückwerfen. Zu dem Zweck die Radikalität.


zuletzt bearbeitet 27.02.2011 16:33 | nach oben springen

#6

RE: Liebe = Selbstveretzung/Selbstaufopferung ein muss?

in Offtopic Forum 27.02.2011 18:41
von Daelach | 1.211 Beiträge

Zitat von Agony
Dann lieber alleine zurück bleiben, auch wenn es anfangs zurecht sehr schwer fallen würde wieder Boden unter den Füssen zu kriegen.



Es wird einfach nicht mehr dasselbe sein; ein Teil von einem selbst stirbt ja mit dem Partner, wenn man eine so innige Verbindung hatte. Man kann als Einzelner dann weiterleben, aber was ist das schon im Vergleich zu dem, was man hatte? Je höher man zuvor geflogen ist, desto schlimmer der Absturz.

Zitat
Ich halte einfach wenig davon mich für jemanden völlig aufzuopfern. Zumal Leben riskieren für den anderen nicht automatisch heisst das derjenige dann auch wirklich gerettet ist, am Ende sterben beide.



Ich weiß - und wie schon gesagt, die Variante "beide tot" fände ich immer noch attraktiver, als allein zurückzubleiben. Das hat nichts mit Treue zu tun, sondern damit, daß ich das Leben nicht mehr lebenswert fände. Es wären zwar beide vielleicht tot, das ja - aber zusammen. Der Tod ist letztlich nicht zu verhindern, d.h. früher oder später stirbt man eh. Das Getrenntsein dagegen ist zu verhindern. Es gibt eben Leute, für die es Wichtigeres als das Bioüberleben gibt. Wenn man nicht mehr gut leben kann, kann man immer noch gut sterben. Ich verweise hier auch mal zu Seneca.

Ich kann verstehen, wenn Leute genau diese Aussicht vermeiden wollen und sich deswegen auch gar nicht erst so tief binden, dann kann man dieses Problem nie haben. Andererseits können diese Leute sich dann nicht sinnvoll zum Thema Liebe äußern, weil sie sie ja nie erlebt haben und dann wie ein Blinder von der Farbe reden.


~ a star is nothingness disguised as light ~

zuletzt bearbeitet 27.02.2011 18:42 | nach oben springen

#7

RE: Liebe = Selbstveretzung/Selbstaufopferung ein muss?

in Offtopic Forum 01.03.2011 00:22
von Lili | 98 Beiträge

Zitat von Daelach

Zitat von Agony

Ich halte einfach wenig davon mich für jemanden völlig aufzuopfern. Zumal Leben riskieren für den anderen nicht automatisch heisst das derjenige dann auch wirklich gerettet ist, am Ende sterben beide.



Ich weiß - und wie schon gesagt, die Variante "beide tot" fände ich immer noch attraktiver, als allein zurückzubleiben. Das hat nichts mit Treue zu tun, sondern damit, daß ich das Leben nicht mehr lebenswert fände. Es wären zwar beide vielleicht tot, das ja - aber zusammen. Der Tod ist letztlich nicht zu verhindern, d.h. früher oder später stirbt man eh. Das Getrenntsein dagegen ist zu verhindern. Es gibt eben Leute, für die es Wichtigeres als das Bioüberleben gibt. Wenn man nicht mehr gut leben kann, kann man immer noch gut sterben. Ich verweise hier auch mal zu Seneca.

Ich kann verstehen, wenn Leute genau diese Aussicht vermeiden wollen und sich deswegen auch gar nicht erst so tief binden, dann kann man dieses Problem nie haben. Andererseits können diese Leute sich dann nicht sinnvoll zum Thema Liebe äußern, weil sie sie ja nie erlebt haben und dann wie ein Blinder von der Farbe reden.




Irgendwie schimmert hier leider für mich die Aussage durch, man dürfe auf gar keinen Fall seinen Partner überleben, um überhaupt von Liebe sprechen zu dürfen.

Wenn ich meinen Partner wirklich liebe, ist es für mich sowieso klar, dass ich mein Bestmögliches geben und bezahlen werde -notfalls auch mit meinem Leben- , um ihn zu beschützen. Das ist erstmal überhaupt nichts Besonderes.
Aber auf Teufel komm raus gemeinsam sterben zu wollen, nur damit ich nicht zurückbleiben muss, ist für mich nicht das non plus ultra.
Schon mal daran gedacht, was dein Partner wollen würde? Ich jedenfalls würde nicht von ihm verlangen, dass es seine Pflicht ist mir in den Tod zu folgen, sondern ich würde mich eher freuen, wenn er trotzdem versucht noch ein schönes Leben zu führen.

Sicher, es ist deine Ansicht, dass dir dein irdisches Leben dann nicht mehr soviel bedeutet, und das du das auch nicht mit Treue begründest.
Aber deine Sichtweise ist nicht der Garant dafür, ob eine Bindung wirklich tief ist und es stößt mir schon echt sauer auf, demjenigen der es ein wenig anders sieht, abzuerkennen, von Liebe zu sprechen. Würde mir nie in den Sinn kommen.

Allein schon wenn das Pärchen eine Familie gegründet hat, finde ich es ziemlich bescheuert wenn der Partner sich auch umbringt, und die Kinder im Stich lässt. Oder frage mal Menschen, die ihren Partner verloren haben und daran zerbrochen sind.
Klar für dich ist das wohl nicht mehr lebenswert, aber da soll keine tiefe Bindung gewesen sein? Die haben keine Ahnung von Liebe?


"Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden."
-- Sokrates

zuletzt bearbeitet 01.03.2011 00:28 | nach oben springen

#8

RE: Liebe = Selbstveretzung/Selbstaufopferung ein muss?

in Offtopic Forum 01.03.2011 20:28
von Daelach | 1.211 Beiträge

Zitat von Lili
Irgendwie schimmert hier leider für mich die Aussage durch, man dürfe auf gar keinen Fall seinen Partner überleben, um überhaupt von Liebe sprechen zu dürfen.



Das ist jetzt aber schon ein ziemlicher Strohmann, gegen den Du da argumentierst, denn davon habe ich nichts geschrieben.

Zitat
Schon mal daran gedacht, was dein Partner wollen würde?



Die wäre dann sowieso tot, das wäre doch das Problem /-; Kinder usw. sind tatsächlich ein nachvollziehbarer Grund, oder allgemein Dinge, die man nicht ungetan zurücklassen will. Und ich spreche hier nicht aus theoretischen Überlegungen, sondern aus Erfahrung.

Zitat
Aber deine Sichtweise ist nicht der Garant dafür, ob eine Bindung wirklich tief ist



Habe ich auch nicht behauptet. Meine Aussage ist, WENN man so tief liebt, DANN ist das Nachfolgen eine für mich verständliche (nicht aber zwingende) Option. Weiterhin habe ich dargelegt, wie das für MICH aussieht. Und daß ich verstehe, wenn Leute sich eben aus diesen gründen gar nicht erst so tief binden wollen. Ich habe Probleme nachzuvollziehen, wie Du von diesen Aussagen auf die Aussage kommst, die ich gerade zitiert habe.

Zitat
Oder frage mal Menschen, die ihren Partner verloren haben und daran zerbrochen sind.



Ich kannte Leute, die dann weitergelebt haben, aber nur deswegen, weil ihr Glaube ihnen den Freitod verbot und sie schon daher nicht dne Entschlossenheit dazu aufbrachten. Der einzig wirkliche Wunsch war dann der Tod (was auch logisch ist, denn sonst wären es keine zerbrochenen Leute). Auch die Alternative habe ich gesehen.. die Suche nach einem neuen Partner nach Jahrzehnten, und die niederschmetternden Ergebnisse.

Ich könnte das schon deswegen nicht, weil praktisch alles von Musik über den Kugelschreiber bis zu den Feldkisten, auf denen ich zum Teetrinken sitze, mich an meine Frau erinnern würde. Sie wäre einfach immer da, und deswegen könnte ich mich gar nicht auf eine andere einlassen. Vermutlich wäre es wegen des dann direkten Vergleiches eher noch schlimmer, als ganz allein zu bleiben.

Es gäbe freilich auch noch die sethianisch gesehen interessante Option, dann Erfahrungen zu machen, die man unter normalen Umständen meiden würde, z.B. weil sie lebensgefährlich wären. So würde ich mir normalerweise kein H reindrücken, schon weil man nie weiß, was für ein Dreck drin ist; aber wenn es eh egal ist, wäre es ein interessanter Versuch. Und zum Abschied vielleicht noch ein wenig aufräumen, bevor dann die Kugel geflogen kommt, auf der der eigene Name steht.

Zitat
Klar für dich ist das wohl nicht mehr lebenswert, aber da soll keine tiefe Bindung gewesen sein? Die haben keine Ahnung von Liebe?



Liefere mir doch bitte mal ein Zitat, in dem ich das geschrieben habe.


~ a star is nothingness disguised as light ~

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#9

RE: Liebe = Selbstveretzung/Selbstaufopferung ein muss?

in Offtopic Forum 03.03.2011 02:59
von Lili | 98 Beiträge

Oh weia, Daelach. Da hab' ich dich dann wohl wirklich missverstanden.
Ich hatte das nämlich genau so aufgenommen, dass der gemeinsame Tod eine zwanghafte Folge für die tatsächlich tiefe Bindung sein muss. Denn wenn das nicht der Fall ist, war keine echte Liebe im Spiel.

Also absichtlich was unterstellen wollte ich dir nichts.



Zitat von Daelach
Ich kannte Leute, die dann weitergelebt haben, aber nur deswegen, weil ihr Glaube ihnen den Freitod verbot und sie schon daher nicht dne Entschlossenheit dazu aufbrachten. Der einzig wirkliche Wunsch war dann der Tod (was auch logisch ist, denn sonst wären es keine zerbrochenen Leute). Auch die Alternative habe ich gesehen.. die Suche nach einem neuen Partner nach Jahrzehnten, und die niederschmetternden Ergebnisse.

Ich könnte das schon deswegen nicht, weil praktisch alles von Musik über den Kugelschreiber bis zu den Feldkisten, auf denen ich zum Teetrinken sitze, mich an meine Frau erinnern würde. Sie wäre einfach immer da, und deswegen könnte ich mich gar nicht auf eine andere einlassen. Vermutlich wäre es wegen des dann direkten Vergleiches eher noch schlimmer, als ganz allein zu bleiben.

Es gäbe freilich auch noch die sethianisch gesehen interessante Option, dann Erfahrungen zu machen, die man unter normalen Umständen meiden würde, z.B. weil sie lebensgefährlich wären. So würde ich mir normalerweise kein H reindrücken, schon weil man nie weiß, was für ein Dreck drin ist; aber wenn es eh egal ist, wäre es ein interessanter Versuch. Und zum Abschied vielleicht noch ein wenig aufräumen, bevor dann die Kugel geflogen kommt, auf der der eigene Name steht.



Wenn ein Mensch einen bestimmten Glauben wirklich praktiziert und akzeptiert hat, der ihm den Freitod verbietet, sicherlich. Aber es gibt doch auch genug Athis usw. die weiterleben. Und darüber hinaus würde ich jetzt auch nicht unbedingt sagen wollen, dass es dann bei denen einfach nur die Angst vor dem Tod ist, welche sie daran hindert sich umzubringen. Gerade die Athis "wissen" doch, dass es keinen Grund gibt vor dem Tod angst zu haben, denn wenn er eintritt, siehts mit Gefühlen ja auch schlecht aus.^^
Oder ist es die Angst vor dem Sterbeprozess? Naja, Überdosis Schlaftabletten sollten doch angenehm sein.

Bei manch anderen sieht es da auch schon anders aus. Jene die sich ungewissenermaßen, eine Existenz nach dem physischen Tod erdenken können und sich im Bewusstsein darauf vorbereiten. (Christen u.Ä. meine ich jetzt nicht) Das hat dann schon etwas bedrohlich Interessantes, denn man ist sich ja nicht gewiss auf ein bestimmtes Leben im Himmelsreich, noch auf eine Nicht-Existenz in der Leere.

Was ich sagen möchte ist, dass es doch auch trotz des Verlustes des Partners Dinge gibt, mit denen man seine irdische Existenz weiter rechtfertigen kann, und sei es nur der Wille seinem Leben irgendeine neue Bedeutung zu geben und die Hoffnung darauf, dass mein Leben dann wieder lebenswert wird.

Das stimmt, der Wunsch zum Tod ist ein gutes Zeichen dafür, dass man zerbrochen ist.
Aber muss so ein Mensch denn dauerhaft in diesem Zustand sein?
Klar, man hat auch nicht immer alle Zeit der Welt. Und genau das bringt mich dann zu der Frage, ob es "die eine" große Liebe für jemanden gibt. Manche haben sie sogar nie gefunden. Aber selbst wenn man sie findet, ist es die einzige große Liebe? Es gibt doch bestimmt auch mehrere Menschen mit denen man eine tiefe Bindung aufbauen kann und die zu einem passen? Aber wie soll das funktionieren? Man kann diesen Menschen ja auch erst mit 40 finden und dann stirbt er wenn man 60 ist. Dann wird wohl die Zeit nicht mehr ausreichen, um jemand neues zu finden. Dürfte zumindest ziemlich schwer werden.

Also allein schon aus zeitlichen Gründen würde ich, zur Frage der einen großen Liebe, mit "jein" antworten.

Das Problem, mit dem Vergleichen der Partner was du ansprichst, kenne ich sehr gut.
Allerdings nur bei eben den Menschen, die noch nicht über die/den Trennung/Verlust hinweg gekommen sind.
(Und da spreche ich jetzt auch nicht unbedingt von mir selbst)
Sicher wird man sich immer an gemeinsame Situationen usw. erinnern, aber naja... vielleicht will oder kann man (z.B. ab einem bestimmten Alter) nicht mehr loslassen?
(Obwohl, du willst ja dann gerade loslassen vom irdischen Leben) *g*


"Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden."
-- Sokrates

zuletzt bearbeitet 03.03.2011 03:07 | nach oben springen


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