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Thesen gegen den Okkultismus

in Mega-Post-Forum 13.06.2012 17:19
von Gegenstandspunkt
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Moin.
Ich möchte mal eine kritische Auseinandersetzung mit dem Okkultismus vorstellen von Adorno bezüglich der Suche nach dem Spirituellen, der metaphysischen Philosophie, Magie(ck) usw. aufgrund der kapitalistischen Wertgesellschaft.

Bittesehr....

Okkultismus und Esoterik als alternativer
Selbstmord
von
Heinz Gess:

Adorno schreibt am Schluss seines Aufsatzes über »die Freudsche Theorie und die Struktur
der faschistischen Propaganda«: »Theatralisch sind die Führer ebenso wie der
Identifizierungsakt der Masse, ihre angebliche Raserei und ihr Fanatismus. Sowenig wie die
Menschen im Innersten wirklich glauben, dass die Juden der Teufel sind, glauben sie ganz an
den Führer. Sie identifizieren sich nicht mit ihm, sondern agieren diese Identifizierung,
schauspielern ihre eigene Begeisterung und nehmen so an der ›Show‹ ihres Führers teil.
Durch diese ›Inszenierung‹ erzielen sie ein Gleichgewicht zwischen ihren ständig
mobilisierten Triebbedürfnissen und der geschichtlichen Stufe der Aufklärung, die sie erreicht
haben und die sie nicht beliebig zurücknehmen können. Wahrscheinlich ist es die Ahnung des
fiktiven Charakters ihrer eigenen ›Massenpsychologie‹, was faschistische Massen so
erbarmungslos und unansprechbar macht; denn hielten sie nur für eine Sekunde um der
Vernunft willen inne, müsste die ganze Show zusammenbrechen, und sie wären der Panik
überlassen.«i

Die okkultistischen Weisen und Führer von heutzutage wissen das insgeheim. Sie haben
den Anspruch der praktischen Vernunft, eine menschenwürdige Welt ohne (überflüssige)
Herrschaft und Unterdrückung einzurichten zu können, zu Gunsten einer angeblich „höheren
kosmischen Wahrheit“ jenseits der Vernunft, der sich diese zu unterwerfen haben, aufgegeben
und die moralisch-praktische Vernunft dem Diktat der irrationalen Rationalität der Herrschaft
aufgeopfert – entweder direkt in Form der platten Identifikation mit dem, was ist – dem
kosmischen Ganzen -, hinter der sich unausgesprochen die Identifikation mit der
kapitalistischen Rationalität und dem darin verewigten und zugleich unkenntlich gemachten
Unrecht verbirgt oder in der Form des konformistischen Protestes gegen die eine oder andere
Erscheinungsform dieser Rationalität. Die Showmaster, die sich als Weise und (geistige)
Führer inszenieren, wissen aber auch, wie sehr ihre Anhänger die Teilnahme an der Show,
die fiktive Inszenierung des »wahren Selbst« durch den „Meister“ und „Heiland“ zur
Kompensation ihrer objektiven Nichtigkeit brauchen, wie sehr sie danach gieren, dass ihnen
„der Heiland“ das „wahre Leben mitten im Falschen“ (Adorno) hier und jetzt verspricht, und
wissen, dass sie selbst umgekehrt auf diese bedürftige, süchtige Gefolgschaft angewiesen
sind, um sich selbst von der Lüge, die Inkarnation und Individuation des wahren, kosmischen
„Selbst“ zu sein, überzeugen und die Simulation, die sie agieren, fürs Wesen halten zu
können. Das Bedürfnis nach dem „wahren Selbst“, das tief im Innern der Seele als oberster
Archetypus west und auf seine Individuation wartet, die „große Identität“ der Einheit von
Geist und Natur mitten im falschen Ganzen, ist der konformistische Ersatz für die verratene
menschliche Emanzipation. Anders als diese lässt sich das Ersatzbedürfnis fürs Verratene
durch Psychowaren, deren Gebrauchswert so okkult ist, dass der Tauschwert trügend seine
Stelle einnehmen kann, vordergründig befriedigen. Aber es bleibt stets ein schales Gefühl der
Enttäuschung zurück, das nicht vergehen will, weil das befriedigte Bedürfnis doch nur der
gesellschaftlich transformierte Ersatz für einen Impuls war und ist, dem nachzugeben
verboten und den zu empfinden und zum Impuls eigenen Denkens zu machen, von der
herrschenden irrationalen Rationalität des kapitalistischen Gesamtbetriebes ausgeschlossen
wurde und wird, das Bedürfnis ein verschobenes Ersatzbedürfnis und seine Befriedigung also
eine Ersatzbefriedigung für etwas ist, das nicht zur Sprache gebracht werden darf. So wir das
Bedürfnis nach okkulten Psycho-Dienstleistungen, deren „okkultes“ Wesen womöglich nur
darin besteht, dass in ihnen der Tauschwert in der Erscheinungsweise eines simulierten
Gebrauchswertes unmittelbar genossen wird, also eigentlich der Genuss des Tauschwertes
selbst, zur Sucht Welche okkulte Dienstleistung die „transpersonale Wissenschaft vom
Seelenheil“ und von der „großen Identität“ auch immer anbietet, das Bedürfnis der
Nachfragenden ist durch gesellschaftliche Definition von vornherein so zugerichtet, dass es
zum Angebot passt. Das Angebot, dass das abstrakte Selbst bestätigen soll, indem der
Tauschwert der Dienstleistung, die den Wert dieses Selbst spiegelt, in Form eines okkulten
Gebrauchswerts anstrengungslos genossen wird, definiert das Bedürfnis nach seiner Fasson.
Was mit dieser Definition nicht identisch ist, wird entweder verleugnet oder „befreit“, aber
nur um wieder eines neuen Angebots von derselben Art zur Befriedigung des neuen
Bedürfnisses machen zu können. Für die passenden Definitionen sorgt die gesellschaftliche
Propaganda oder – wie man das heute nennt - das „Marketing“ auf dem Psycho-Markt der
Sinnsuche. Den Rest besorgt der Meister durch seine Definition der Situation im
„transpersonalen setting“ bzw. im Meister-Jünger-Verhältnisses. Auf sie muss sich der
Kunde einlassen – so wird ihm bedeutet -, weil anders „Heilung“ nicht möglich ist. Die
Akzeptanz dieser Situationsdefinition, die die gesellschaftliche Form des Lebens und die
Funktion des individuellen Heilsversprechens in ihr systematisch ausblendet und den Kunden
gegen die Form taub und blind macht, ist das A Priori der transpersonalen, okkulten Heils und
ihr ganzes Geheimnis. Ohne das vorweggenommene Einverständnis mit dieser
Situationsdefinition und ohne die anschließende Verinnerlichung dieser Situationsdefinition
im Meister-Jünger-Verhältnis gibt es den realen Schein des seelischen Heils im falschen
Ganzen nicht. Dem Kunden aber, dem Konsumenten des Heils, das aus der Ware kommt, darf
das nicht bewusst werden.

Was einst allein der Priester vollbrachte, die mystische Transsubstantiation von Brot und
Wein in den Leib des Herrn, den der Gläubige in der „heiligen Kommunion“ sodann
empfangen und sich dadurch mit ihm verreinigen konnte, das vollbringt nun der okkulte
transpersonale Psychotherapeut. Aber er gibt sich dabei anders als der Priester als
„Erfahrungswissenschaftler“ aus, der den immanenten Geist der Natur oder seines Selbst
vernimmt und zu Sprache bringt. Der „dualistische Glaube“ an das transzendente Jenseits
und an den einen Gott für alle Menschen ist ihm Anathema, die Wandlung in der
priesterlichen Messe bloßer falscher Zauber. Er will Wissenschaftler im okkulten Tun sein
und gibt deshalb vor, zu wissen, dass der Kosmos in seinem beständige Werden und
Vergehen, so wie er ist, alles ist, und das Göttliche dem kosmischen Sein immanent und in
jeder seiner Komponenten gegenwärtig ist, sowohl in der Konstellation der Sterne dort
draußen als auch im Menschen drinnen und also vom Menschen durch Selbsterfahrung und
Rückwendung auf sein Inneres in Verbindung mit der Astrologie und anderen okkulten
Geschehnissen „erfahrbar“ ist. Auch transpersonale Meister „transformiert“ den Menschen
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von innen her, auch er weist den Weg zur Vereinigung mit dem Göttlichen, vereinigt die
Menschen mit der Ganzheit spendenden „komischen Energie“, dem All-einen“, aber er gibt
sich dabei als „Erfahrungswissenschaftler“ aus, weil ohne diesen Nimbus des Wissen-
schaftlichen der Schein des Heils heutzutage keine Glaubwürdigkeit hat und zergeht. Was der
okkulte Psychologe deshalb vor allem braucht, ist die hart gesottene Skrupellosigkeit, fest an
seine Show zu glauben, sie mit Überzeugung und mit wissenschaftlichem Gestus zu
inszenieren, das durch Übung verfeinerte Talent der Einfühlung und dazu möglichst viel
professionelles Halbwissen, das den Schein des wissenschaftlichen Anspruchs für den
weniger halb Gebildeten schwer durchdringbar macht. Osho, alias Bhagwan, einer der
bekannteren okkultistischen Gurus und Meister dieser Zeit, machte daraus auch gar keinen
Hehl, freilich nur um mit den Aussprechen dieser Wahrheit der Funktion nach neu wieder zu
lügen: „Ich bin Showman. Das ist jeder, nur haben sie nicht den Mut, es zu sagen.
(...)Niemand schlägt mich. Ich bin der beste Showman in der Geschichte der Menschheit.«ii
Der „Gottmensch“ Bhagwan/Osho weiß, die Show von dem vollkommenen, total integrierten
Selbst ist für seine Gefolgschaft unabdingbares Überlebensmittel, um es in dem komplett
falsch gewordenen Ganzen aushalten zu können. Damit alles so bleiben kann, wie es ist,
braucht es den größten »Showmaster in der Geschichte der Menschheit«, muß der okkulte
Realitätsersatz realer werden als die Realität selbst. Denn ginge die Show von dem wahren
kosmischen Selbst tief im Inneren einmal nicht weiter und die Scheinerlösten erwachten aus
der »inhaltlosen Nicht-Bewusstheit«, dem »Zustand des Nicht-denkens«, es wäre ihr Ende.
Die kollektive Depression bis zur Selbstzerstörung wäre die Folge. Der „Gottmensch“ weiß
auch, dass ihm und seiner Gefolgschaft, der der Impuls zur Freiheit abhanden gekommen ist,
dass sie das ahnt und das sie darum nur um so unnachgiebiger und unansprechbarer auf dem
Weitergehen der Show bestehen wird, auch wenn ihr der Showcharakter der Show »enthüllt«
worden ist: »Die Gesellschaft ist verrückt, aber wenn du dich nicht an sie anpasst, erklärt sie
dich für verrückt. Also musst du entweder verrückt werden oder einen Ausweg aus der
Gesellschaft finden: Selbstmord.«iii »Ich möchte Dir gerne sagen: [...] die Möglichkeit des
Selbstmordes ist auch bei Dir gegeben. Aber ich glaube nicht, daß du Selbstmord begehen
mußt – Sannyas wird genügen.« »Sannyas und Selbstmord sind Alternativen. [...] Ein
Sannyasin kannst Du nur werden, wenn du an einem Punkt angelangt bist, an dem du, solltest
du nicht Sannyas nehmen, nur noch Selbstmord begehen kannst.« »Sannyas ist die alternative
Gesellschaft.«iv

Selten sind okkulte Psychologie und Esoterik so unverblümt zum „Opium der Reichen«
erklärt und als Realität ersetzende »Show« angepriesen worden wie von diesem Meister des
Wahns, der sich für die Inkarnation Gottes hielt. Aber das macht nur deutlich, wozu der
Okkultismus dient, der den Astralleib wiegt. Er ersetzt die »alten Religionen« (Judentum und
Christentum) in der einen Funktion, die sie historisch sicherlich auch hatten, nämlich der
Funktion der falschen Versöhnung mit dem Unrecht der gegebenen Verhältnisse durch die
phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens in der Illusion In dieser Funktion
sich die neue „Wissenschaft“, die vorgibt, über die Trennung von Glauben und Wissen,
Immanenz und Transzendenz hinaus, Denken und Sein hinaus zu sein, von nichts und
niemandem übertreffen lassen. Darüber macht sie die andere Seite der alten
monotheistischen Religion zunichte, die darin bestand, dass sie um der Menschen willen mit
der Unversöhntheit der realen Welt nicht einverstanden und in diesem Sinn immer auch der
Aufschrei der bedrängten Kreatur war. Die „alte Religion“ weiß noch davon, dass die
Menschen mit dem bestehenden Ganzen nicht identisch sind und dieses nicht alles ist. Sie
weiß davon, dass noch etwas aussteht, das die Menschen um ihrer selbst und der Welt willen
zu vollbringen und wovon sie einen Vorschein im Hier und Jetzt in die Welt zu bringen
haben: die befreite Menschheit.v Neuzeitlicher Okkultismus und „wissenschaftliche“
Esoterik wissen davon nichts davon nichts mehr, sondern trimmen die Menschen auf ihre
3

Art auf plattesten Positivismus, auf und instrumentelle Rationalität und Positivismus des
„Übersinnlichen. Insofern sind sie tatsächlich keine Religion mehr – weder im Sinne des
Judentums noch im dem des Christentums, sondern ausschließlich Produktion von okkulter
Ersatzrealität.
Okkultismus und Esoterik sind Formen des „ehrenwerten“ Eskapismus für Halbgebildete mit
Abitur, der Versuch, sich inmitten der kapitalistischen Gesellschaft, deren Rationalität
irrational geworden ist und die einer neuen Barbarei zutreibt, als scheinbar rettende
Daueralternative zu ihr einzurichten. Das aber geht eben nur „okkult“. Der vergottete Magier
hatte das begriffen. Denn er stellte bereits ganz richtig fest: »Die Gesellschaft erlaubt keine
alternative Gesellschaft«. Also ist auch die Alternative, die der anbot und unablässig
simulierte, in Wahrheit keine, sondern nur eine der okkultistischen Praxen, die vergessen
machte, dass es das simulierte heile Leben und „wahre Selbst“ im heillosen, unversöhnten
Ganzen nicht gibt. Reicht das nicht, genügt das simulierte, okkulte Heil durch Liquidierung
des nichtidentischen individuellen Selbst nicht, dann bleibt ja immer noch der Ausweg, mit
dem »unerträglichen Leben« durch Selbstmord Schluss zu machen, um - so der vergottete
Magier - die »Einzigartigkeit«vi zurückerlangen, die die Gesellschaft den vereinzelten
Einzelnen genommen hat. Aber vor diesem letzten Akt am „Tag des globalen Todes“ heißt
die Losung: „Schiebt es nicht länger auf! Freuet euch.« »Wenn die Vernichtung global
geworden ist, müssen wir auch das Lachen und Tanzen global machen, im selben Verhältnis
– um einen Ausgleich zu schaffen.«vii

Damit ist die Funktion von Okkultismus und Esoterik klar und deutlich Mittel der
konformistischen Bewältigung der Krise der kapitalistischen Gesellschaft bestimmt. Sie
machen taub und gleichgültig gegen die Schmerzensschreie und das Leiden all jener, die von
der Herrschaft zunichte gemacht werden und ermöglichen so inmitten anwachsender
Barbarei Genuss, Lebensfreude und Frohsinn. Genossen wird der in die Krise geratene Wert
in der Erscheinungsform simulierter Gebrauchswerte. Das ist die negative Wahrheit allen
Okkultistischen Gehabes. Es ist ein als Freudenfest und Befreiung arrangierter Opfergang
des individuellen Selbst, mit dem das übermächtige, in die Krise geratene falsche Ganze
besänftigt werden soll, damit das Verhängnis noch einmal vorübergehe, ist der Rückfall in
die Magie und den Mythos vom ewigen Verhängnis, das durchs Opfer der Vernunft und
Aufgabe jedweden Anspruchs auf menschliche Selbstbestimmung gnädig zu stimmen ist. Es
ist in eins damit die Identifikation mit dem falschen Ganzen, ein letzter Genuss seiner selbst
als Agent und Individuation des Wertes, dem man alles opfert. Die Konjunktur von
Okkultismus und Esoterik sind Symptom einer nahenden gesellschaftlichen Krise und
drohenden neuen Barbarei, der die kapitalistische Weltgesellschaft zutreibt.

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#2

RE: Thesen gegen den Okkultismus

in Mega-Post-Forum 13.06.2012 17:21
von Gegenstandspunkt
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Theodor W. Adorno

Gegengift
Thesen gegen den Okkultismus

I. Die Neigung zum Okkultismus ist ein Symptom der Rückbildung des Bewußtseins. Es hat
die Kraft verloren, das Unbedingte zu denken und das Bedingte zu ertragen. Anstatt beides,
nach Einheit und Differenz, in der Arbeit des Begriffs zu bestimmen, vermischt es beides
unterschiedslos. Das Unbedingte wird zum Faktum, das Bedingte unmittelbar wesenhaft. Der
Monotheismus zersetzt sich in zweite Mythologie. »Ich glaube an Astrologie, weil ich nicht
an Gott glaube«, antwortete ein Befragter in einer amerikanischen sozialpsychologischen
4
Untersuchung. Die rechtsprechende Vernunft, die zum Begriff des einen Gottes sich erhoben
hatte, scheint in dessen Sturz hineingerissen. Geist dissoziiert sich in Geister und büßt darüber
die Fähigkeit ein zu erkennen, daß es jene nicht gibt. Die verschleierte Unheilstendenz der
Gesellschaft narrt ihre Opfer in falscher Offenbarung, im halluzinierten Phänomen. Umsonst
hoffen sie, in dessen fragmentarischer Sinnfälligkeit dem totalen Verhängnis ins Auge zu
blicken und standzuhalten. Panik bricht nach Jahrtausenden von Aufklärung wieder herein
über eine Menschheit, deren Herrschaft über Natur als Herrschaft über Menschen an Grauen
hinter sich läßt, was je Menschen von Natur zu fürchten hatten.

II. Die zweite Mythologie ist unwahrer als die erste. Diese war der Niederschlag des
Erkenntnisstandes ihrer Epochen, deren jede das Bewußtsein vom blinden
Naturzusammenhang um einiges freier zeigt als die vorhergehende. Jene, gestört und
befangen, wirft die einmal gewonnene Erkenntnis von sich inmitten einer Gesellschaft, die
durchs allumfassende Tauschverhältnis eben das Elementarische eskamotiert, dessen die
Okkultisten mächtig zu sein behaupten. Der Bild des Schiffers zu den Dioskuren, die
Beseelung von Baum und Quelle, in allem wahnhaften Benommensein vorm Unerklärten,
waren historisch Erfahrungen des Subjekts von seinen Aktionsobjekten angemessen. Als
rationell verwertete Reaktion gegen die rationalisierte Gesellschaft jedoch, in den Buden und
Konsultationsräumen der Geisterseher aller Grade, verleugnet der wiedergeborene Animismus
die Entfremdung, von der er selber zeugt und lebt, und surrogiert nichtvorhandene Erfahrung.
Der Okkultist zieht aus dem Fetischcharakter der Ware die äußerste Konsequenz: die drohend
vergegenständlichte Arbeit springt ihn mit ungezählten Dämonenfratzen aus den
Gegenständen an. Was in der zum Produkt geronnenen Welt vergessen ward, ihr
Produziertsein durch Menschen, wird abgespalten, verkehrt erinnert, als ein Ansichseiendes
dem An sich der Objekte hinzugefügt und gleichgestellt. Weil diese unterm Strahl der
Vernunft erkaltet sind, den Schein des Beseelten verloren haben, wird das Beseelende, ihre
gesellschaftliche Qualität, als natürlich-übernatürliche verselbständigt, Ding unter Dingen.

III. Die Regression auf magisches Denken unterm Spätkapitalismus assimiliert es an
spätkapitalistische Formen. Die zwielichtig-asozialen Randphänomene des Systems, die
armseligen Veranstaltungen, durch seine Mauerritzen zu schielen, offenbaren zwar nichts von
dem, was draußen wäre, um so mehr aber von den Kräften des Zerfalls im Innern. Jene
kleinen Weisen, die vor der Kristallkugel ihre Klienten terrorisieren, sind Spielzeugmodelle
der großen, die das Schicksal der Menschheit in Händen halten. So verfeindet und
verschworen wie die Dunkelmänner des Psychic Research ist die Gesellschaft selber. Die
Hypnose, welche die okkulten Dinge ausüben, ähnelt dem totalitären Schrecken: in den
zeitgemäßen Prozessen geht beides ineinander über. Augurenlachen hat sich zum
Hohngelächter der Gesellschaft über sich selber ausgewachsen; es weidet sich an der
unmittelbaren materiellen Ausbeutung der Seelen. Das Horoskop entspricht den Direktiven
der Büros an die Völker, und die Zahlenmystik bereitet auf die Verwaltungsstatistiken und
Kartellpreise vor. Integration selber erweist sich am Ende als Ideologie für die Desintegration
in Machtgruppen, die einander ausrotten. Wer hineingerät, ist verloren.

IV. Okkultismus ist eine Reflexbewegung auf die Subjektivierung allen Sinnes, das
Komplement zur Verdinglichung. Wenn die objektive Realität den Lebendigen taub erscheint
wie nie zuvor, so suchen sie ihr mit Abrakadabra Sinn zu entlocken. Wahllos wird er dem
nächsten Schlechten zugemutet: die Vernünftigkeit des Wirklichen, mit der es nicht recht
mehr stimmt, durch hüpfende Tische und die Strahlen von Erdhaufen ersetzt. Der Abhub der
Erscheinungswelt wird fürs erkrankte Bewußtsein zum mundus intelligibilis. Beinahe wäre es
die spekulative Wahrheit, so wie Kafkas Odradek fast ein Engel wäre, und ist doch in einer
Positivität, welche das Medium des Gedankens ausläßt, nur das barbarisch Irre, die sich selber
entäußerte und darum im Objekt sich verkennende Subjektivität. Je vollkommener die
Schnödheit dessen, was als »Geist« ausgegeben wird - und in allem Beseelteren würde ja das
aufgeklärte Subjekt sogleich sich wiederfinden -, um so mehr wird der dort aufgespürte Sinn,
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der an sich ganz fehlt, zur bewußtlosen, zwangshaften Projektion des wo nicht klinisch, so
historisch zerfallenden Subjekts. Dem eigenen Zerfall möchte es die Welt gleichmachen:
darum hat es mit Requisiten zu tun und bösen Wünschen. "Die dritte liest mir aus der Hand.
Sie will mein Unglück lesen!" Im Okkultismus stöhnt der Geist unterm eigenen Bann wie ein
Schlimmes Träumender, dessen Qual sich steigert mit dem Gefühl, daß er träumt, ohne daß er
darüber erwachen könnte.

V. Die Gewalt des Okkultismus wie des Faschismus, mit dem jenen Denkschemata vom
Schlag des antisemitischen verbinden, ist nicht nur die pathische. Sie liegt vielmehr darin, daß
in den minderen Panazeen, Deckbildern gleichsam, das nach Wahrheit darbende Bewußtsein
eine ihm dunkel gegenwärtige Erkenntnis meint greifen zu können, die der offizielle
Fortschritt jeglicher Gestalt geflissentlich ihm vorenthält. Es ist die, daß die Gesellschaft,
indem sie die Möglichkeit des spontanen Umschlags virtuell ausschließt, zur totalen
Katastrophe gravitiert. Der reale Aberwitz wird abgebildet vom astrologischen, der den
undurchsichtigen Zusammenhang entfremdeter Elemente - nichts fremder als die Sterne - als
Wissen über das Subjekt vorbringt. Die Drohung, die aus den Konstellationen herausgelesen
wird, gleicht der historischen, die in der Bewußtlosigkeit, dem Subjektlosen gerade sich
weiterwälzt. Daß alle prospektive Opfer eines Ganzen sind, das bloß von ihnen selber gebildet
wird, können sie ertragen nur, indem sie jenes Ganze weg von sich auf ein ihm Ähnliches,
Äußerliches übertragen. In dem jämmerlichen Blödsinn, den sie betreiben, dem leeren
Grauen, dürfen sie den ungefügen Jammer, die krasse Todesangst herauslassen und sie doch
weiter verdrängen, wie sie es müssen, wenn sie weiter leben wollen. Der Bruch in der
Lebenslinie, der einen lauernden Krebs indiziert; ist Schwindel nur an der Stelle, wo er
behauptet wird, in der Hand des Individuums; wo sie keine Diagnose stellen, beim im
Kollektiv, wäre sie richtig. Mit Recht fühlen die Okkulten von kindisch monströsen
naturwissenschaftlichen Phantasien sich angezogen. Die Konfusion, die sie zwischen ihren
Emanationen und den Isotopen des Urans anstiften, ist die letzte Klarheit. Die mystischen
Strahlen sind bescheidene Vorwegnahmen der technischen. Der Aberglaube ist Erkenntnis,
weil er die Chiffern der Destruktion zusammen sieht, welche auf der gesellschaftlichen
Oberfläche zerstreut sind; er ist töricht, weil er in all seinem Todestrieb noch an Illusionen
festhält: von der transfigurierten, in den Himmel versetzten Gestalt der Gesellschaft die
Antwort sich verspricht, die nur gegen die reale erteilt werden könnte.

VI. Okkultismus ist die Metaphysik der dummen Kerle. Die Subalternität der Medien ist so
wenig zufällig wie das Apokryphe, Läppische des Geoffenbarten. Seit den frühen Tagen des
Spiritismus hat das Jenseits nichts Erheblicheres kundgetan als Grüße der verstorbenen
Großmutter nebst der Prophezeiung, eine Reise stünde bevor. Die Ausrede, es könne die
Geisterwelt der armen Menschenvernunft nicht mehr kommunizieren, als diese aufzunehmen
imstande sei, ist ebenso albern, Hilfshypothese des paranoischen Systems: weiter als die Reise
zur Großmutter hat es das lumen naturale doch gebracht, und wenn die Geister davon keine
Notiz nehmen wollen, dann sind sie unmanierliche Kobolde, mit denen man besser den
Verkehr abbricht. Im stumpf natürlichen Inhalt der übernatürlichen Botschaft verrät sich ihre
Unwahrheit. Während sie drüben nach dem Verlorenen jagen, stoßen sie dort nur aufs eigene
Nichts. Um nicht aus der grauen Alltäglichkeit herauszufallen, in der sie als unverbesserliche
Realisten zu Hause sind, wird der Sinn, an dem sie sich laben, dem Sinnlosen angeglichen,
vor dem sie fliehen. Der faule Zauber ist nicht anders als die faule Existenz, die er bestrahlt.
Dadurch macht er es den Nüchternen so bequem. Fakten, die sich von anderem, was der Fall
ist, nur dadurch unterscheiden, daß sie es nicht sind, werden als vierte Dimension bemüht.
Einzig ihr Nichtsein ist ihre qualitas occulta. Sie liefern dem Schwachsinn die
Weltanschauung. Schlagartig, drastisch erteilen die Astrologen und Spiritisten jeder Frage
eine Antwort, die sie nicht sowohl löst, als durch krude Setzungen jeder möglichen Lösung
entzieht. Ihr sublimes Bereich, vorgestellt als Analogon zum Raum, braucht so wenig gedacht
6
zu werden wie Stühle und Blumenvasen. Damit verstärkt es den Konformismus. Nichts gefällt
dem Bestehenden besser, als daß Bestehen als solches Sinn sein soll.

VII. Die großen Religionen haben entweder, wie die jüdische, die Rettung der Toten nach
dem Bilderverbot mit Schweigen bedacht, oder die Auferstehung des Fleisches gelehrt. Sie
haben ihren Ernst an der Untrennbarkeit des Geistigen und Leiblichen. Keine Intention, nichts
»Geistiges«, das nicht in leibhafter Wahrnehmung irgend gründete und wiederum nach
leibhafter Erfüllung verlangte. Den Okkulten, die sich für den Gedanken der Auferstehung zu
gut sind und die eigentlich Rettung gar nicht wollen, ist das zu grob. Ihre Metaphysik, die
selbst Huxley von Metaphysik nicht mehr unterscheiden kann, ruht auf dem Axiom: »Die
Seele schwinget sich wohl in die Höh' juchhe, / der Leib, der bleibet auf dem Kanapee.« Je
munterer die Spiritualität, desto mechanistischer: nicht einmal Descartes hat so sauber
geschieden. Arbeitsteilung und Verdinglichung werden auf die Spitze getrieben: Leib und
Seele in gleichsam perennierender Vivisektion auseinandergeschnitten. Reinlich soll die Seele
aus dem Staub sich machen, um in lichteren Regionen ihre eifrige Tätigkeit stracks an der
gleichen Stelle fortzusetzen, an der sie unterbrochen ward. In solcher
Unabhängigkeitserklärung aber wird die Seele zur billigen Imitation dessen, wovon sie falsch
sich emanzipierte. Anstelle der Wechselwirkung, wie sie noch die starreste Philosophie
behauptete, richtet der Astralleib sich ein, die schmähliche Konzession des hypostasierten
Geistes an seinen Widerpart. Nur im Gleichnis des Leibes ist der Begriff des reinen Geistes
überhaupt zu fassen, und es hebt ihn zugleich auf. Mit der Verdinglichung der Geister sind
diese schon negiert.

VIII. Das zetert über Materialismus. Aber den Astralleib wollen sie wiegen. Die Objekte ihres
Interesses sollen zugleich die Möglichkeit von Erfahrung übersteigen und erfahren werden. Es
soll streng wissenschaftlich zugehen; je größer der Humbug, desto sorgfältiger die
Versuchsanordnung. Die Wichtigtuerei wissenschaftlicher Kontrolle wird ad absurdum
geführt, wo es nichts zu kontrollieren gibt. Die gleiche rationalistische und empiristische
Apparatur, die den Geistern den Garaus gemacht hat, wird angedreht, um sie denen wieder
aufzudrängen, die der eigenen ratio nicht mehr trauen. Als ob nicht jeder Elementargeist
Reißaus nehmen müßte vor den Fallen der Naturbeherrschung, die seinem flüchtigen Wesen
gestellt werden. Aber selbst das noch machen die Okkulten sich zunutze. Weil die Geister die
Kontrolle nicht mögen, muß ihnen, mitten unter den Sicherheitsvorkehrungen, ein Türchen
offengehalten werden, durch das sie ungestört ihren Auftritt machen können. Denn die
Okkulten sind praktische Leute. Sie treibt nicht eitle Neugier, sie suchen Tips. Fix geht es von
den Sternen zum Termingeschäft. Meist läuft der Bescheid darauf hinaus, daß mit
irgendwelchen armen Bekannten, die sich etwas erhoffen, Unglück ins Haus steht.

IX. Die Kardinalsünde des Okkultismus ist die Kontamination von Geist und Dasein, das
selber zum Attribut des Geistes wird. Dieser ist im Dasein entsprungen, als Organ, sich am
Leben zu erhalten. Indem jedoch Dasein im Geist sich reflektiert, wird er zugleich ein
anderes. Das Daseiende negiert sich als Eingedenken seiner selbst. Solche Negation ist das
Element des Geistes. Ihm selber wiederum positive Existenz, wäre es auch höherer Ordnung,
zuzuschreiben, lieferte ihn an das aus, wogegen er steht. Die spätere bürgerliche Ideologie
hatte ihn nochmals zu dem gemacht, was er dem Präanimismus war, einem Ansichseienden,
nach dem Maße der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, des Bruches zwischen physischer und
geistiger Arbeit, der planenden Herrschaft über jene. Im Begriff des ansichseienden Geistes
rechtfertigte das Bewußtsein das Privileg ontologisch und verewigte es, indem es ihn
gegenüber dem gesellschaftlichen Prinzip verselbständigte, das ihn konstituiert. Solche
Ideologie explodiert im Okkultismus: er ist gleichsam der zu sich selbst gekommene
Idealismus. Gerade kraft der starren Antithese von Sein und Geist wird dieser zu einem Seins-
Ressort. Hatte der Idealismus einzig für das Ganze, die Idee gefordert, daß das Sein Geist sei
und dieser existiere, so zieht der Okkultismus die absurde Konsequenz daraus, daß Dasein
bestimmtes Sein heißt: »Daseyn ist, nach seinem Werden, überhaupt Seyn mit einem
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Nichtseyn, sodaß dieß Nichtseyn in einfache Einheit mit dem Seyn aufgenommen ist. Das
Nichtseyn in das Seyn aufgenommen, daß das konkrete Ganze in der Form des Seyns, der
Unmittelbarkeit ist, macht die Bestimmtheit als solche aus.« (Hegel, Wissenschaft der Logik
1, ed. Glockner, S. 123) Die Okkulten nehmen buchstäblich das Nichtsein in »einfache
Einheit mit dem Sein«, und ihre Art Konkretheit ist eine schwindelnde Abkürzung des Weges
vom Ganzen zum Bestimmten, die darauf sich berufen kann, daß als einmal Bestimmtes das
Ganze schon keines mehr ist. Sie rufen der Metaphysik Hic Rhodus hic salta zu: wenn die
philosophische Investition von Geist mit Dasein sich bestimmen soll, so müßte schließlich,
spüren sie, beliebiges, versprengtes Dasein als besonderer Geist sich rechtfertigen. Die Lehre
von der Existenz des Geistes, äußerste Erhebung des bürgerlichen Bewußtseins, trüge danach
teleologisch schon den Geisterglauben, äußerste Erniedrigung, in sich. Der Übergang zum
Dasein, stets »positiv« und Rechtfertigung der Welt, impliziert zugleich die These von der
Positivität des Geistes, seine Dingfestmachung, die Transposition des Absoluten in die
Erscheinung. Ob die ganze dinghafte Welt, als »Produkt«, Geist sein soll oder irgendein Ding
irgendein Geist, wird gleichgültig und der Weltgeist zum obersten Spirit, zum Schutzengel
des Bestehenden, Entgeisteten. Davon leben die Okkulten: ihre Mystik ist das enfant terrible
des mystischen Moments in Hegel. Sie treiben die Spekulation zum betrügerischen Bankrott.
Indem sie bestimmtes Sein als Geist ausgeben, unterwerfen sie den vergegenständlichten
Geist der Daseinsprobe, und sie muß negativ ausfallen. Kein Geist ist da.


Anregungen, Bemerkungen?

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#3

RE: Thesen gegen den Okkultismus

in Mega-Post-Forum 13.06.2012 17:58
von Demogorgon | 226 Beiträge

Meine Antwort, kurzgefasst:

1) Ich mag kein pseudointellektuelles Geschwafel und halte Adorno und seine Anhänger für Wichtigtuer.

2) Okkultismus ist doof, wenn er irrational ist. Es gibt aber auch eine rational vertretbare Form, mit übernatürlichen Phänomenen umzugehen. Ich finde diese bisher allerdings nur im LaVey-Satanismus. (Gibt es bestimmt auch woanders, ist mir dort aber noch nicht aufgefallen.)

3) Kapitalismus finde ich als Sozialdarwinist gut und kann daher in einem eventuellen Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Okkultismus nichts Schlechtes finden, abgesehen davon, daß ich einen solchen Zusammenhang ohnehin für absolut konstruiert halte.

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#4

RE: Thesen gegen den Okkultismus

in Mega-Post-Forum 21.06.2012 05:21
von Goyhem | 62 Beiträge

Okkultismus? Hatte letztens En.Ki beim Nutzen meines Teraphim am Apparat. Er beschwerte sich, dass er sich für sowas wie uns den Prometheus gespielt hat. :D

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#5

RE: Thesen gegen den Okkultismus

in Mega-Post-Forum 23.06.2012 00:25
von RAFA | 1.191 Beiträge

Jammerlappen! Hätt er doch wissen können! Was schiebt er UNS die Schuld zu! Soll er mal an sich selber ein bisschen arbeiten, dann passiert ihm so ein Scheiß auch nicht mehr ;->


www.RAFA.at - guckstu auch in meinen Blog: www.RAFAmania.de

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#6

RE: Thesen gegen den Okkultismus

in Mega-Post-Forum 05.10.2012 11:36
von Daelach | 1.214 Beiträge

Zitat von Demogorgon
Okkultismus ist doof, wenn er irrational ist.



Warum? Ganz grundsätzlich kann man das doch nur dann aussagen, wenn man annimmt, daß Existenz ihrerseits überhaupt rational sei, und dafür gibt es keinen rationalen Beweis. Allenfalls kann man das dogmatisch pseudobegründen oder über Zirkelschlüsse pseudobeweisen - was dann aber paradoxerweise wieder irrational wäre.


~ a star is nothingness disguised as light ~

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#7

RE: Thesen gegen den Okkultismus

in Mega-Post-Forum 14.10.2012 07:03
von Demogorgon | 226 Beiträge

Zitat von Daelach im Beitrag #6
Warum? Ganz grundsätzlich kann man das doch nur dann aussagen, wenn man annimmt, daß Existenz ihrerseits überhaupt rational sei, und dafür gibt es keinen rationalen Beweis. Allenfalls kann man das dogmatisch pseudobegründen oder über Zirkelschlüsse pseudobeweisen - was dann aber paradoxerweise wieder irrational wäre.


Einen objektiven Beweis kann man sowieso niemals führen, da aller Erkenntnis relativ ist. Von daher würde es eigentlich reichen, wenn ich meine Präferenz für Rationalität als meinen persönlichen Geschmack deklariere.

Ich denke aber, daß man aufzeigen kann, daß rationales Denken im Allgemeinen bessere und zweckmäßigere Ergebnisse bringt als Irrationalität:

Wenn Du krank bist, gehst Du dann zum Arzt oder zum Schamanen?

Wenn Dein Auto kaputt ist, gehst Du damit in die Werkstatt oder beschwörst Du in einer okkulten Zeremonie die Heinzelmännchen, damit die dann vorbeikommen und es gratis reparieren?

Und welcher Weg wäre wohl der erfolgversprechendere?

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#8

RE: Thesen gegen den Okkultismus

in Mega-Post-Forum 14.10.2012 21:00
von Daelach | 1.214 Beiträge

Kommt drauf an.. westliche Medizin ist super für akute Sachen oder Unfälle. Für langfristige oder chronische Sachen ist sie oftmals ungeeignet, und da wäre ein guter Schamane gar nicht mal die dümmste Idee. Denn erstens, wenn vernünftige Vorgehensweise helfen würde, dann hätte man das ja schon durchgezogen. Wenn sie also nicht geholfen hat, was soll ein rationaler Okkultismus dann noch nützen? Zweitens bringt einen der Verstand zwar ziemlich weit, aber es gibt Fälle, in denen muß man ihn auch mal ablegen, um hinter die Ebene des Verstandes zu kommen. Das ist der zweite Grund, wieso Okkultismus per se nicht vernünftig ist.

Man kann allerdings quasi-vernünftige Begründungen geben, wenn man so sehr am Verstand hängt, daß man ihn sonst nicht loslassen könnte, dann kann das leichter fallen.


~ a star is nothingness disguised as light ~

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