#1

Die Nichtexistenten

in allgemeine, religiöse Themen 21.01.2012 19:22
von Daelach | 1.211 Beiträge

Wir, die wir sind, können derer gedenken, die nicht sind. Umgedreht können sie das nicht. Aber tun sie es auf ihre sehr-nichtexistente Weise nicht eigentlich gerade deswegen doch? Allerdings hatte man ihre Natur weitaus besser verstanden, nämlich in einem viel existentielleren Sinne umfassender, ehe man begann, sich mit ihnen zu beschäftigen. Was solls, nicht groß drüber nachdenken und es einfach vergessen, dann versteht man es auch wieder.


~ a star is nothingness disguised as light ~

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#2

RE: Die Nichtexistenten

in allgemeine, religiöse Themen 24.01.2012 20:42
von RAFA | 1.174 Beiträge

Sie SIND nicht nichtexistent. Sie hatten auf dem Array der Zeit ihre Spanne. Diese Zeitspanne haben sie besetzt, belegt. Sie werden für immer und alle Zeiten in dieser Zeitspanne gewesen sein und nichts kann sie mehr auslöschen. Oder?


www.RAFA.at - guckstu auch in meinen Blog: www.RAFAmania.de

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#3

RE: Die Nichtexistenten

in allgemeine, religiöse Themen 25.01.2012 18:32
von Daelach | 1.211 Beiträge

hm ich dachte eigentlich nicht an die, die mal waren und jetzt nicht mehr sind, sondern an die, die niemals waren und auch niemals sein werden. Ist ne gewisse mindfuck-Komponente dabei, ich mag sowas einfach.


~ a star is nothingness disguised as light ~

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#4

RE: Die Nichtexistenten

in allgemeine, religiöse Themen 25.01.2012 19:04
von Xarvic | 533 Beiträge

Die ungedachten also? Ach nein, die hast du ja durch diesen Thread jetzt ins Gedächtnis gerufen.


uɐɯ puıןq ɐ ɹɐǝɥ uɐɔ ǝuoou

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#5

RE: Die Nichtexistenten

in allgemeine, religiöse Themen 28.01.2012 03:04
von System-Karzinom (gelöscht)
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Eben, ungedacht sind Nichtexistente nicht mehr, wenn man sie denkt. Die Frage ist dann, ob nur der Gedanke existiert oder Geist über Materie siegt, um den Denkenden zum Kreator eines Nichtexistenten zu machen. Nur wäre er dann wieder existent, selbst als Idee oder ätherisches Wesen, meinetwegen auch als amorphe Entität. Wann er existent ist, wäre nur im Kontext der Raumzeit relevant, denn Existenz kann man zunächst nur als solche definieren, wenn sie als absolute Größenordnung betrachtet wird. Soll heißen: Es muss DIE Existenz existieren, damit EINE (spezifische) Existenzform darin ko-existieren kann.

Die Nichtexistenz ist ein Abstraktum, denn tatsächlich Nichtexistentes würden wir nicht denken können. Was absolut nicht existiert, nicht einmal als Gedanke, wäre uns nicht begreifbar, aber in dem Moment, wo es begreifbar wird, ist es nicht mehr nichtexistent. Insofern könnte man sagen, Nichtexistenz ist NICHT existent, aus dem Grund, dass wir sogar eine Begriffsdefinition dafür haben, eben Nichtexistenz. Dann wäre die Existenz absent, also nicht vorhanden, aber das ist dann immer noch keine konsequent gedachte Nichtexistenz, denn die Absenz einer Existenz kann geändert werden, indem man nur die Existenz denkt. DIE Existenz, im Sinne des Absoluten, existiert ja eh, es kann darin also nur die Absenz einer weiteren Existenzform gedacht werden, aber wird sie gedacht, existiert sie.
Was absolut nicht existiert, können wir nicht wissen oder begreifen, weil es dann auch als Idee und darauf basierender Definition nicht existent wäre. Soll heißen: Wir könnten es gar nicht als nichtexistent definieren, weil die Zustandsbeschreibung der Nichtexistenz bereits eine Existenz evoziert, nämlich die der Idee, des Gedankens, der Definition, alles auf der Basis der ohnehin erfahrbaren Existenz.

Insofern ein weiteres Paradoxon: Man könnte sagen, Nichtexistenz existiert nicht, weil wir sie ja denken und definieren, wenn auch nicht zwingend spezifisch.
Das ist ein weiterer Fallstrick für das menschliche Bewusstsein, ebenso wie die Frage nach einem "Nichts", das ohne Raumzeit und Materie nicht funktioniert (das Bewusstsein). Also konstruiert es wieder einen, im Zweifelsfall imaginären, Zeitstrahl, auf dem irgendwo die Existenzzeitspanne zwischen einem hypothetischen Punkt A und Punkt B als Existenz gesetzt wird. Das ist aber sinnfrei, denn die Existenz als solche ermöglicht ja erst dieses Gedankenexperiment. Man theoretisiert also über etwas, ohne das man gar nicht an Existenz oder das Gegenteil denken könnte.
Und, noch abstruser, man setzt sogar eine hypothetische Zeitspanne für Nichtexistenz, ohne es zu bemerken. Denn wenn ich von Nichtexistenz spreche, evoziere ich damit folgerichtig die Option der Wandlung zur Existenz, dass also Nichtexistenz in Existenz wandelbar sei. Wenn das so ist, ist Nichtexistenz ohnehin indiskutabel, weil es dann nur vom jeweiligen Zeitstrahl bzw. dem naturwissenschaftlichen Verständnis abhinge, wann Nichtexistenz zu Existenz wandelbar sei. Dann hätte es eine Nichtexistenz nie gegeben, könnte ja eh nicht sein, wenn ich aus der Existenz heraus Aussagen über eine hypothetische Größenordnung mache.

Und genau DARIN liegt der Denkfehler, denn es kristallisiert sich heraus, dass die Definition der Nichtsexistenz nichts weiter als ein abstraktes Behelfskonstrukt des menschlichen Bewusstseins ist, also analog zum "All(es)" und "Nichts".
Es ist die tief verwurzelte Angst oder Unsicherheit, die auch mir desöfteren zu schaffen macht, dass DIE Existenz sich einen Scheiß um UNS zu scheren scheint, denn haben wir Pech, nehmen wir an der Existenz im bewussten Sinne nicht weiter teil, wenn wir sterben. Aus strikt rationalistischer Sicht wären wir weiterhin Bestandteil des Gen- bzw. Elementarpools, aber das Bewusstsein wäre so auswechselbar wie ein Schuh.

Ich sehe das zwar nicht so, aber es ist einer der Gründe, warum ich zu der Auffassung gelangt bin, dass die Wertschätzung des Lebens auch für LHP´ler Priorität genießen sollte, eben weil Vitalfunktionen, auch durch uns, reproduzierbar sind, aber Bewusstsein bzw. Memetik und Co. sind für uns ein Buch mit sieben Siegeln. Wir können die Karosserie rekreieren, auch den Motor, aber der Luxus des EINEN (individuell erfahrenen) Bewusstseins ist unserer Manipulation nicht zugänglich.

Im Grunde wurden wir in einer Härte bestraft, die kaum steigerungsfähig ist. Wir leben auf einem paradiesischen Planeten, erahnen nur, was "da draußen" alles sein könnte, dürfen uns aber mal gerade eine vergleichsweise lächerlich kurze Zeitspanne an diesem Zustand erfreuen, bevor wir sterben. Das mag vielen Menschen nicht bewusst werden, aber denkt man darüber nach, ist es die grausamste aller Foltermethoden, uns das Leben kosten zu lassen, um es dann dahin siechen zu lassen.




Befreiungsschlag-Netzpräsenz

zuletzt bearbeitet 28.01.2012 05:31 | nach oben springen

#6

RE: Die Nichtexistenten

in allgemeine, religiöse Themen 28.01.2012 04:42
von System-Karzinom (gelöscht)
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Übrigens noch etwas zur grundsätzlichen Fragestellung, ob nämlich wir der Nichtexistenten gedenken können, sie aber umgekehrt nicht: Sehen wir diese Fragestellung unter den o.a. Gesichtspunkten, müssten wir uns bereits im Gedenken selbst dahingehend manipulieren, dass wir etwas dann Existentes (zumindest den Gedanken) selbst zwar als existent definieren, aber noch immer denken, über etwas Nichtexistentes zu sinnieren. Gegenstand des Denkens wäre dann also nur unsere Definition der Nichtexistenz, eine hypothetisch absolute Nichtexistenz bliebe davon aber unberührt, weil sie nicht innerhalb der Existenz zu denken wäre. Insofern widerlegt die Existenz die Nichtexistenz per definitionem, alles andere wäre Absenz, also hypothetisch veränderbare Zustandsbeschreibung.
Wenn ich heute sage, es existiert keine Sauratte, dann könnte sich das theoretisch bereits morgen ändern, einmal abgesehen von der Tatsache, dass der Gedanke an eine genetische Manipulation beider Spezies damit bereit indiziert wäre.

Wenn etwas Gedachtes in der (vermeintlich) realen Existenz absent ist, also physisch bzw. psychisch oder spirituell nicht vorhanden, dann wäre die Idee aber dennoch im Bewusstsein existent. Die grundsätzliche Fragestellung könnte dann lauten, ob nicht die Existenz, hier in der Ausdrucksform des Bewusstseins, ihrer selbst gedenkt, wenn sie einer vermeintlichen Nichtexistenz zu gedenken glaubt.
Da Nichtexistenz in der Existenz nicht denkbar ist (also nicht unmöglich usw., sondern UN-DENKBAR, also nicht zu begreifen oder definieren, weil es den Rahmen sprengt), könnte die Idee im Sinne des Mindfucks als Selbstbetrug oder wenigstens Selbstreferenz definiert werden, wenn nämlich das existente Bewusstsein auf der Grundlage seiner faktisch angenommenen Existenz auf einen gegenteiligen Zustand zu schließen beginnt, der aber nur in Relation zur eigenen Existenz auch zu denken wäre.

Stellt sich summa summarum die Frage, ob es überhaupt Existenz gibt, oder nur deren Definition. Die ist nämlich, man merkt des den Argumentationsstrukturen an, auch der meinigen, gar nicht unabhängig von einer "Weltformel" definierbar, denn was nicht in einen Definitionsrahmen passt (ob nun in Naturwissenschaft, Philosophie, oder was auch immer), würde in der Definition keine Berücksichtigung finden KÖNNEN, weil es nicht denkbar wäre.

Die Definition der Existenz wird im Kontext des Mindfucks sehr eng, denn wir könnten sagen, dass wir repräsentieren, was wir unter Existenz zu verstehen imstande sind. Wir beschreiben UNS, anhand dessen, was wir für unseren Zustand halten. Da Zustände nur in Relationen definiert werden können, u.a. am gegenteiligen Effekt, kreieren wir eine Antithese, die wir als Nichtexistenz definieren. Damit beantworten wir uns aber nur die Fragen, die wir mit der Definition einer Existenz bereits beantwortet haben, nämlich dass wir zu existieren glauben. Und wenn wir dann der Nichtexistenten gedenken, sind es wieder WIR, die wir eigentlich meinen, dann aber eben in der Reflektion auf das Gegenteil dessen, was wir als unseren Zustand erkannt haben wollen.

Es hat Vorteile, wahnsinnig zu sein, man hat irgendwann nichts mehr, an das man sich klammern könnte. Wer nicht klammert, stürzt nicht aus der Höhe auf ein tieferes Niveau, er befindet sich eh permanent im freien Fall.




Befreiungsschlag-Netzpräsenz

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#7

RE: Die Nichtexistenten

in allgemeine, religiöse Themen 28.01.2012 07:53
von Xarvic | 533 Beiträge

Zitat von SK
Wer nicht klammert, stürzt nicht aus der Höhe auf ein tieferes Niveau, er befindet sich eh permanent im freien Fall.



Es bedarf aber eines gewissen Feingefühls, um den Wind wehen zu spüren, wenn man es gewohnt ist, von den Platten der Realität tagtäglich vor den Kopf gestoßen zu werden .


uɐɯ puıןq ɐ ɹɐǝɥ uɐɔ ǝuoou

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#8

RE: Die Nichtexistenten

in allgemeine, religiöse Themen 28.01.2012 20:25
von PErsonA-nOn-gratA | 47 Beiträge

Die die nicht sind denken sehr wohl an die die sind. Denn die die sind würden es ja bemerken wenn die die nicht sind, nicht an die denken die sind!
Wenn aber doch die die nicht sind, nicht an die denken die sind, und die die sind es gar nicht bemerken das da keine Gedanken sind, von denen die nicht sind, dann haben die die nicht sind daran gedacht nicht zu gedenken damit die die sind, nicht bemerken das sie bemerken,
das die die nicht sind, nicht immer so nicht-sind !

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#9

RE: Die Nichtexistenten

in allgemeine, religiöse Themen 28.01.2012 20:39
von Xarvic | 533 Beiträge

Taschentuch gefällig?


uɐɯ puıןq ɐ ɹɐǝɥ uɐɔ ǝuoou

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#10

RE: Die Nichtexistenten

in allgemeine, religiöse Themen 11.02.2012 14:43
von Daelach | 1.211 Beiträge

@ SK: Du hast das Paradoxon schön auf den Punkt gebracht.. das meinte ich (:


~ a star is nothingness disguised as light ~

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#11

RE: Die Nichtexistenten

in allgemeine, religiöse Themen 13.02.2012 17:53
von RickChair | 65 Beiträge

"Nichtexistenz" ist ein Wort ohne Referenzgegenstand bzw. die Verneinung von allem Bestehenden, also Dingen, die wir als seiend wahrnehmen. Demnach ist die ursprüngliche Frage des Threads auf einen Kategorienfehler in der Wortwahl zurückzuführen, non?


"Es lohnt nicht die Mühe sich zu töten, denn man tötet sich immer zu spät."
- E. M. Cioran

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