#1

ICH - und Gott

in philosophischer Satanismus 09.12.2019 22:34
von RAFA | 1.209 Beiträge

wir haarlose Äffchen haben im Laufe unserer Evolution nun mal einen bestimmten Geist entwickelt: Es reicht uns nicht, den Bauch voll zu haben, sondern wir brauchen auch Futter für unser Gemüt. Wir begreifen (bedingt), dass eines Tages die Tage aufgebraucht sind, an denen wir leben - und vermögen dies nicht zu fassen. Das Gehirn weigert sich, die eigene Nichtexistenz zu denken und doch wissen wir, dass sie sein wird. Wir finden uns inmitten von Konflikten aus dem eigenen Denken - und suchen nach Lösungen. Die Dummen erdenken sich einen Gott, die Rationaleren sagen: "So etwas gibt es nicht!", aber die Lage bleibt weiterhin unbefriedigend. Wie gehen wir damit um?
Nun sind wir Satanisten, erheben uns über Dogmen, glauben nichts, prüfen, hinterfragen ... ist ja recht und schön, aber keine Lösung für "DEN" Konflikt.
Ich habe folgenden Vorschlag (weil ich kann bloßes Gemeckere ohne Verbesserungsvorschlag nicht leiden): Wir alle denken uns ein Ich. Niemand zweifelt an seinem eigenen Ich. ...und doch ist es nur erdacht. Im ganzen Gehirn findet sich kein Areal, das zum Denken des Ich zuständige ist. ...und doch denken wir ein Ich. Unser Ich ist nichts, an das wir glauben, sondern etwas, das wir dogmatisch voraussetzen! Ich bin ich - oder etwa nicht, häää?? *Messer wetz* Aber wir können das Ich nicht nachweisen, wir denken es bloß.
Alle sind zufrieden damit, dass jeder für sich so sein Ich denkt. Niemand ist auf die Idee gekommen zu sagen: "Was? "Du" bist was? Du willst ein Ich sein? Bah! Ein Ich gibt es doch gar nicht! Man kann es weder sehen, noch erklären! Es gibt kein Ich. Hör auf, daran zu glauben!"
Nö, ich hör nicht auf.
Nö, ich glaub das ja auch nicht - ich POSTULIERE es!
...und ebenso postuliere ich Götter.
Ich wollte fast schreiben: "...ich postuliere Götter, wie es mir gefällt"
Aber das stimmt nicht. Ich postuliere auch Götter, OHNE dass es mir gefiele.... und ich muss zugeben: das Denken einer Gottheit liegt nicht in meiner bewussten Entscheidung, sondern der Impuls, eine Gottheit zu denken, kommt woanders her.
Hat die Gottheit damit eine Eigendynamik?
Hat die Gottheit damit in etwa eine eigene Existenz?
Habe ICH mit meinem Ich irgendetwas, was ich einer solchen Gottheit voraus hätte?
Was gibt mir das logische Recht zu sagen: "Es gibt keine Götter/keinen Gott ..., aber MICH gibt es SCHON!" ???
Naja.
Aus derlei (und weiteren Gründen) wage ich es, mir Satan zu denken - und sehe auch gar nicht ein, seine Existenz in Frage zu stellen, nur weil sie einer "Fantasie" entspränge, denn - bittschön - aus was entspring denn ICH? ;-)
"....und er schuf den Menschen zu seinem Bilde"


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#2

RE: ICH - und Gott

in philosophischer Satanismus 15.12.2019 17:26
von Dux Bellorum | 37 Beiträge

Moin Moin RAFA,

also als Schwarzmagier streich ich erstmal

Zitat
wir haarlose Äffchen...

für mich.
Warum sollte ich mich als Schwarzmagier mit den Äffchen oder als Muggels bekannt
auf eine Stufe stellen, vor allem wenn man durch die Gabe und harter schwarzmagischer
esoterischer Arbeit die Gottwerdung erreicht hat ?
Macht keinen Sinn
Schließlich ist der Tod net dat Ende, es gibt ja auch noch die Wiedergeburt. Und dat geilste
ist ja, wenn de hier stirbst, kommst de in die Anderswelt erstmal wieder. Yes, ich bekomm
dann die Chance persönlich den ach so mächtigen Gott zu ficken, das wird ne satanische
Mordsgaudi... diese verlogene Dreckssau.
Auf jeden Fall mach ich nen Abstecher nach Odin, mal richtig gepflegt mit dem Einäugigen
Met saufen und wenn die Blase dann drückt, mal mit dem guten alten Luci auf die ewig
gequälten Seelen der Christen, Juden und Moslems im Styx pissen

Also mich interessieren diese unwissenden Äffchen null, denn eine satanische Sünde
ist die Dummheit, so kommen diese Dummen in den Himmel, aber das steht ja schon in
der Bibel:
"Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr."
Matthaeus 5, 3

Und ich geh dann in der Hölle fett die Party machen


Heil Satan!


Wenn ich aus der Schlacht heut nicht mehr wiederkehre,
fand ich den Regenbogen, der mich nach Asgard führte,
so hab ich platz genommen an der Tafel in Walhalla.

zuletzt bearbeitet 15.12.2019 17:34 | nach oben springen

#3

RE: ICH - und Gott

in philosophischer Satanismus 19.12.2019 08:54
von Succi | 11 Beiträge

Nun ja, ich hatte schon auch Phasen in meinem Leben, wo ich an gar nichts glaubte.
Für mich persönlich ist halt die "was bringt mir das/was habe ich davon"-Frage die Ausschlaggebende. Im Grunde ist meine Einstellung zur Religion das Resultat aus Rumprobieren was funktioniert, also Freude und Erfolg bringt. Bin aber auch davon überzeugt, es gibt das "Drüben", inclusive spirituellle Wesenheiten. Sonst würden ja dementsprechende "energetische Anwendungen" nicht funktionieren, ohne Trägermedium. Ob es ein "Ich" gibt? Da halte ich es mit "Ich denke also bin ich".

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#4

RE: ICH - und Gott

in philosophischer Satanismus 20.12.2019 17:40
von Liu | 149 Beiträge

Zitat von RAFA im Beitrag #1
Wir alle denken uns ein Ich. Niemand zweifelt an seinem eigenen Ich. ...und doch ist es nur erdacht. Im ganzen Gehirn findet sich kein Areal, das zum Denken des Ich zuständige ist. ...und doch denken wir ein Ich. Unser Ich ist nichts, an das wir glauben, sondern etwas, das wir dogmatisch voraussetzen! Ich bin ich - oder etwa nicht, häää?? *Messer wetz* Aber wir können das Ich nicht nachweisen, wir denken es bloß.
Alle sind zufrieden damit, dass jeder für sich so sein Ich denkt. Niemand ist auf die Idee gekommen zu sagen: "Was? "Du" bist was? Du willst ein Ich sein? Bah! Ein Ich gibt es doch gar nicht! Man kann es weder sehen, noch erklären! Es gibt kein Ich. Hör auf, daran zu glauben!"
Nö, ich hör nicht auf.
Nö, ich glaub das ja auch nicht - ich POSTULIERE es!
...und ebenso postuliere ich Götter.
Ich wollte fast schreiben: "...ich postuliere Götter, wie es mir gefällt"
Aber das stimmt nicht. Ich postuliere auch Götter, OHNE dass es mir gefiele.... und ich muss zugeben: das Denken einer Gottheit liegt nicht in meiner bewussten Entscheidung, sondern der Impuls, eine Gottheit zu denken, kommt woanders her.
Hat die Gottheit damit eine Eigendynamik?
Hat die Gottheit damit in etwa eine eigene Existenz?
Habe ICH mit meinem Ich irgendetwas, was ich einer solchen Gottheit voraus hätte?
Was gibt mir das logische Recht zu sagen: "Es gibt keine Götter/keinen Gott ..., aber MICH gibt es SCHON!" ???
Naja.
Aus derlei (und weiteren Gründen) wage ich es, mir Satan zu denken - und sehe auch gar nicht ein, seine Existenz in Frage zu stellen, nur weil sie einer "Fantasie" entspränge, denn - bittschön - aus was entspring denn ICH? ;-)
"....und er schuf den Menschen zu seinem Bilde"

Mir scheint das postulieren eines Ichs und von Göttern dennoch nicht ganz dasselbe zu sein.
Wenn es das Ich (im Sinne von Bewusstsein, nicht im Sinne des Egos) nicht gäbe, hätte man keine subjektive Wahrnehmung, und Subjektivität existiert eindeutig, das weiß man aus eigener Erfahrung - ob Objektivität existiert ist da schon schwieriger.
Götter können manche Leute ebenfalls wahrnehmen, aber sie sind ein Inhalt des Bewusstseins (unabhängig davon, ob sie auch außerhalb davon existieren oder nicht), und somit eine ganz andere Kategorie.

Zitat von Succi im Beitrag #3
Für mich persönlich ist halt die "was bringt mir das/was habe ich davon"-Frage die Ausschlaggebende. Im Grunde ist meine Einstellung zur Religion das Resultat aus Rumprobieren was funktioniert, also Freude und Erfolg bringt.


Das ist eine gute Taktik - in nem anderen Forum, wo ich bin, nennen wir diese Strategie "Sorcerer's Lie".

Zitat
Bin aber auch davon überzeugt, es gibt das "Drüben", inclusive spirituellle Wesenheiten. Sonst würden ja dementsprechende "energetische Anwendungen" nicht funktionieren, ohne Trägermedium.


Sofern sie denn funktionieren, ich hab die über Placeboeffekt hinaus noch nicht zum Funktionieren gebracht, soweit ich das bemerkt habe. Aber gibt genug Leute, die dran glauben, so dass ich es für möglich halte, dass da dennoch was dran ist.

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#5

RE: ICH - und Gott

in philosophischer Satanismus 06.01.2020 22:49
von RAFA | 1.209 Beiträge

Zitat
gäbe, hätte man keine subjektive Wahrnehmung, und Subjektivität existiert eindeutig, das weiß man aus eigener Erfahrung



Darum geht es ja gerade: Ein Baby kommt auf die Welt. Es schnauft, es bekommt die Brust, es trinkt ... geistlos.

Und dann bekommt es das 1. Mal in seinem Leben einen Ich-Impuls, nämlich: die Brust kommt nicht rechtzeitig, der Magen meldet Leere, wir erfahrene Erwachsene deuten das Gefühl als "Hunger", das Baby merkt nur eine Unannehmlichkeit - und brüllt. Im Lauf der Zeit lernt es dann, dass es verschiedene Unannehmlichkeiten gibt und auch verschiedene Lösungen dafür und es beginnt, die Impulse zu ordnen. Bei den Informationen, bestehend aus Hunger, Schmerz, Stillung, Lust .... und der Zu-Ordnung dieser Impulse kristalliert sich noch etwas zum Ganzen dieser Teile: da ist Hunger, aber WER hat den Hunger?? > na: ich, natürlich! ...und es beginnt - in wohl höchst abstrakter Weise - eine erste Idee vom eigenen Ich zu empfinden.

Ich möchte damit sagen, dass das Ich nur eine Folge der "subjektiven" Erfahrungen ist. Es entsteht praktisch dadurch, denn das Denken ist bei der Verarbeitung der Bewusstseins-Anteile quasi gezwungen, eine Konstante zu setzen, zu der sie alles in bezug setzen kann: das Ich.

ICH habe Hunger
ICH krieg was zu essen
MEIN Hunger hört auf
Für MICH ist das gut
ICH bin gut

Die Subjektivität und Produktion eines Ichs ist zwangsläufig eine Folge einer durch äußere Grenzen vereinte Ansammlung von Komponenten, die als Kollektiv zu irgendeiner Entscheidung gezwungen ist.

Wir haben ein Volk Israel als ein durch äußere Grenzen (Anzahl, Situation, Ethnie) bestimmter Haufen von einzelnen Mitgliedern/Teilen.
Als "Schwarm" haben sie ein Ziel, meinetwegen hocken sie in der Wüste und werden von den Ägyptern verfolgt, aber vor ihnen liegt ein Meer, es ist grad mittelmäßig Ebbe und die Entscheidung steht aus: gehen WIR da rein oder nicht?
Der Volksentscheid, repräsentiert durch den Mann Moses, verkündet: vorwärts marsch! (Baby brüllt) ....und sie latschen rein. ...und siehe da, tatsächlich: es wird ein Erfolg! (Baby ist satt, juhuu!) ....und sie lobpreisen den Entscheider, der hier postuliert wird und zu dem das Volk in Wechselwirkung tritt. ...und dieser sagt: Ich bin, der ICH bin!!!!


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zuletzt bearbeitet 06.01.2020 22:50 | nach oben springen

#6

RE: ICH - und Gott

in philosophischer Satanismus 11.01.2020 19:59
von Tyger | 191 Beiträge

Ich oute mich erstmal als einer jener spirituellen Satanisten, die glauben, ein geistiges Wesen mit einem Körper zu sein statt umgekehrt. Natürlich weiß ich nicht, ob das stimmt, drum ist es eben einfach mein ganz persönlicher Glaube. Ich würde jedenfalls nicht darauf bestehen, dass mein "Ich" irgendwo im Inneren meines Kopfes zu finden sein müsste.
Die wenigsten kommen übrigens auf den Gedanken, dass der Glaube an Nichts auch nur ein Glaube ist. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die schlimmsten Glaubensfanatiker, die mir je über den Weg gelaufen sind, fast durchweg strenggläubige Neoatheisten waren.
Was ich sagen will: Wo das Wissen endet, sollte man einfach für alle Möglichkeiten offen sein; ich selbst bemühe mich jedenfalls darum.


Internet ist scheiße, da geh ich nicht rein.
(Avatar von Maitre_Joker)

zuletzt bearbeitet 11.01.2020 20:01 | nach oben springen

#7

RE: ICH - und Gott

in philosophischer Satanismus 11.01.2020 20:46
von Liu | 149 Beiträge

Wenn man an nichts denkt und nichts fühlt hat man aber immernoch das Gefühl, zu existieren, und auch wenn das Ich eine Illusion ist, so fühlt es sich doch zumindest so an als wäre man etwas, das diese Illusion hat.

Das würde für mich eher für die Existenz von Bewusstsein unabhängig vom Egokontrukt der Psyche sprechen.

Die Psyche selbst hingegen ist so weit von physischen Aspekten abhängig, dass ich es schwierig finde, sie als getrennt davon anzusehen.
Selbst wenn das Bewusstsein ohne die Psyche nicht einmal denken könnte, dass es existiert, sondern wohl einfach nur als Leere existieren würde.


zuletzt bearbeitet 11.01.2020 20:49 | nach oben springen


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