#1

Esoterik

in Offtopic Forum 20.01.2012 18:35
von Xarvic | 533 Beiträge



Mensch, wie der so ernst bleiben kann, ist mir ein Rätsel.

Zu dem Thema fällt mir auf, dass es immer wieder einen riesigen Batzen an gequirlter Scheiße gibt, die leichtgläubigen Leuten dann untergejubelt wird. Auf der anderen Seite ist mir aus dem Bekanntenkreis auch so einiges zu Ohren gekommen, wonach u.a. an Auren etwas dran sein soll. Bei den jeweiligen Ärztinnen ist mir dann aber immer das Gefühl aufgekommen, dass das ganze eine unnötig sakralisierte Alternativsicht bisher wenig bis gar nicht bekannter Größenordnungen der menschlichen Gesundheit ist.


uɐɯ puıןq ɐ ɹɐǝɥ uɐɔ ǝuoou

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#2

RE: Esoterik

in Offtopic Forum 20.01.2012 21:08
von System-Karzinom (gelöscht)
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Das Problem dabei ist, dass aufgrund einer gewissen Dichte an Kokolores in diesen Bereichen nur zu gerne mehrere Fehlschlüsse gezogen werden, nämlich:

1. Esoterik bezeichnet eine breite Phalanx an Themen, die mit der "exakten" Wissenschaft nicht konform gehen bzw. nicht beweisbar sind.

Das trifft schon einmal von daher nicht zu, da der Begriff Esoterik heute völlig mißbräuchlich verwendet wird. Ursprunglich ging es dabei ja um Informationen, die im Sinne der Hermetik ausschließlich einem adäquaten Personenkreis zugänglich waren, also mehr oder weniger Geheimwissen innerhalb interessierter Kreise. Heute wirft man nicht nur Esoterik völlig wahllos mit Mystik in einen Topf, auch werden etliche weltanschauliche Aspekte fernöstlicher Kulturen im Westen unter dem Oberbegriff vereint. Insofern ist schon das Synonym Esoterik im modernen Verständnis derart schwammig und weitschweifend belegt, das es im Grunde an Desinformation grenzt, wenn von Esoterik in diesem Kontext gesprochen wird. Allerdings wissen es die meisten Leute eben nicht, von daher ist es nicht selten Selbstverblendung auf beiden Seiten: Während der bekennende Esoteriker eine Kausalkette herbei diskutiert, die nur in seinem Weltverständnis auch kausal erscheinen kann, amüsiert sich der beinharte Realist über seine eigene Unwissenheit, weil er annimmt, das Thema erschöpfend abarbeiten zu können, wenn er mit dieser Sorte Esoteriker kommuniziert.
Amüsant dabei ist, dass im Grunde keine von beiden Seiten versteht, wovon sie da eigentlich redet.

Gerade bei sog. "alternativen Heilmethoden" sollte man aber vorsichtig sein, die in Bausch und Bogen zu verwerfen, nur weil sie nicht unmittelbar als Resultat der "aufgeklärten" westlichen Wissenschaft betrachtet werden. Auch im Falle alternativer bzw. freier Energien, oder eben auch der Frage nach "Auren" (wobei ich den Begriff nicht sehr treffend gewählt finde), tut man sich keinen Gefallen, das alles als esoterischen Mumpitz deklarieren zu wollen.
Ein weiterer sehr großer Irrtum betrifft das Thema Astrologie. Dass mit den moderen Varianten unterm Strich nichts mehr anzufangen ist, dürfte weitgehend unstrittig sein, sehen wiir mal von einigen schönen tiefenpsychologischen Hintertürchen in den Wahnsinn ab, aber an der Basis handelt es sich dennoch um äußerst komplexe Systeme, deren Primärziel es nicht war, dem Ratsuchenden zu vermitteln, wann er laut entsprechend günstiger Sternkonstellation mal wieder richtig abkacken kann. Auch diese Interpretationen sind ein Produkt der Neuzeit.

Was die Beweisbarkeit in der Wissenschaft betrifft, also Viabilität im Sinne eines Ernst von Glasersfeld, sollte man sich ohnehin der Tatsache bewußt sein, dass Empirie die Methode der Wissensvermehrung durch Erfahrung ist, aber keine absoluten Tatsachen belegen kann. Fällt ein Apfel tausendmal vom Baum, wird der Beobachter anhand seiner Erfahrungswerte zwar sagen können, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass er auch beim 1001. Mal vom Baum fallen würde. Dreht er sich aber gerade in dem Moment um und ein Vogel schnappt sich den Apfel vom Ast weg, wäre der 1001. Fall statistisch betrachtet nicht mehr evident, sondern lediglich wahrscheinlich.
Von daher kann auch Empirie nur ein Ergebnis produzieren, das der Definition der Viabilität entspricht, und das im genannten Sinne sogar strikt logisch hergeleitet. Genau das können aber auch andere Methoden, bsplw. in der alternativen Medizin, denn auch sie produzieren Ergebnisse, selbst wenn sie der empirischen Methodik eventuell nicht in dem Maße zugänglich sein sollten, als dass man die Ursache definieren könnte.

2. Wer etwas in Betracht zieht, das als esoterisch gilt, öffnet der Religion Tür und Tor.

Die große Angst aller Rationalisten und Atheisten, man könne durch alternative Ansätze in der Methodik gleich mal eben das Tor für das theistische Trojanerpferd öffnen, wobei Religion und Theismus per definitionem nicht einmal identisch sein müssen. Selten wird hinterfragt, warum eine solche Angst überhaupt besteht, aber das haben wir ja u.a. bereits im Atheismusthema abgehandelt.

Tatsächlich ist diese Angst nur in dem Maße begründet, wie der Beurteilende annimmt, jede Form der Esoterik und/oder Spiritualität sei untrennbar mit Irrationalismus verknüpft. Da der Rationalist Religion als irrational wertet, gehen beide Komplexe in seiner Wertung bereits eine Allianz ein, die gar nicht zwingend gesehen werden müsste.
Wovon sprechen wir denn, wenn wir von alternativen Methoden im o.a. Sinn sprechen? Richtig, wir sprechen von natürlichen Prozessen, ob nun bereits definiert oder nicht. Ob nun Naturwissenschaft oder Naturphilosophie, unterm Strich beschäftigt man sich mit den Geheimnissen der Natur, der Existenz, des Universums usw., je nach Kontext und Fragestellung.

Da es der Natur freilich egal sein dürfte, ob Menschen allen Ernstes von anderen Menschen mehr oder minder erfundene "Götter" in natürliche Prozesse hinein interpretieren, weil die Konstruktionen der Menschen die Existenz zumindest in erster Instanz nicht tangieren (wäre es anders, flögen Drachen, Mördergötzen und Monstren aus den kaiju eiga tagtäglich durch unsere Umwelt, also Solipsismus in extremis sozusagen), erübrigt sich auch der Ansatz, der Natur überhaupt einen Namen zu geben, bevor man sie zu erforschen beginnt. Auch ich nutze diesen und andere Begriffe zur Existenzumschreibung hier auch in erster Linie, um mich verständlich zu machen.
Wenn ich aber, übrigens auch in der praktisch angewandten "Magie" ( = Interaktion mit der Existenz, Überwinden der Grenzen des Bewußtseins), von vornherein gar nicht erst annehme, als Resultat meiner Arbeit ein Kaninchen aus dem Hut, den Beelzebub aus dem Pentagrammkreis, oder den Götzen vom Holzkreuz herunter betteln zu müssen, bewege ich mich nicht im Rahmen einer Erwartungshaltung, kann also schlicht und ergreifend interagieren. Wenn dann der Wahnsinn an die Tür klopft, man aber vor ihm keine Furcht mehr hat, weil auch er ein mißverstandener Bestandteil unseres Bewußtseins ist, ist das Kaffekränzchen mit den eigenen Phobien nur noch Formsache.

Nun, und um genau diese Phobien geht es hier. Der Atheist hat Angst, irgendwann realisieren zu müssen, dass er trotz anderslautender Aussagen eigentlich nie vom Glauben abgefallen ist, und sei es nur der Glaube, nicht zu glauben. Folglich wehrt er sich auch gegen jede Form der Spiritualität, denn darin erkennt er die schleichende Infiltration seines rationalen Bewußtseins, das kein Wenn und Aber akzeptiert. Der Umgang in unserer Gesellschaft mit Esoterik (bzw. das, was man darunter versteht), ist auf beiden Seiten sehr stark von unterbewußten Ängsten geprägt. Während der Esoteriker Rettung in Konstrukten sucht, glaubt der Rationalist, sie bereits in flächendeckend anerkannten Konstrukten gefunden zu haben. Ohne es zu realisieren, führen beide Seiten einen Dialog über Glauben.
Wer diese Mechanismen durchschaut, wird diese Ängste überwinden können. Eine Blockade gegen Esoterik und Co. ist dann nicht mehr notwendig, weil man unabhängig denkt und bewertet. Sieht man auch die Wissenschaft nur als eine Option, Viabilität zu produzieren, muss man ihren Wahrheitsanspruch nicht im Dialog gegenüber anderen vehement verteidigen.

Süße Freidenkerei, die ich meine ....




Befreiungsschlag-Netzpräsenz

zuletzt bearbeitet 20.01.2012 21:14 | nach oben springen

#3

RE: Esoterik

in Offtopic Forum 20.01.2012 22:42
von guy_inkognito | 102 Beiträge

Meines Wissens nach bedeutet Esoterik doch eigentlich nur, dass die Lehre geheim war oder eben "intern".
Seit wann ist Esoterik denn gleichbedeutend mit Kristallenergie, Grander-Wasser und Konsorten?

Will kein neues Thema eröffnenen: Suche ein gutes knackig-kurzes Buch bis 200 Seiten das, wenn möglich, asiatische Philosophie zum Thema hat, danke


So lange auf der Pizza steht, "Vor dem Erwärmen die Folie abziehen" ist die Menschheit dumm!

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#4

RE: Esoterik

in Offtopic Forum 21.01.2012 08:31
von System-Karzinom (gelöscht)
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@Guy:

Ich denke, das wirst Du nicht finden. Ich habe vorhin auch noch einmal in meinen Bibliotheken herum gesucht (real und virtuell), aber mir fällt auch nach einem längeren Brainstorming kein Buch ein, das Deinen Suchkriterien entspricht und dazu noch empfehlenswert und informativ wäre. Dafür ist der Gesamtkomplex aber auch zu gewaltig, das sind schließlich keine gehirnamputierten Christen oder Muslime.

Aber: Eine Netzseite fiel mir ein, die ich sehr schön finde:

Religion in Japan




Befreiungsschlag-Netzpräsenz

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#5

RE: Esoterik

in Offtopic Forum 22.01.2012 22:49
von Daelach | 1.211 Beiträge

generell bin ich etwas vorsichtig, gerade bei der Beurteilung sog. alternativer Heilmethoden. Daß die naturwissenschaftlich nicht so gut erklärbar sind, hat meiner Meinung nach den einfachen Grund der naturwissenschaftlichen Methodik. Eine wichtige Forderung dabei ist nämlich die Reproduzierbarkeit für jeden. Ein Röntgengerät funktioniert immer, egal wer es nun bedient.

Das bedeutet aber auch, daß alles, was Bewußtsein involviert, bedingt durch die Methodik systematisch ausgeblendet wird und deswegen auch nicht damit erforschbar sein kann. Daß das als Basis etwas dünn ist, sieht man schon am Placebo-Effekt: Wenn Materie die Ursache und Bewußtsein lediglich die Folge ist, dann kann Materie das Bewußtsein beeinflussen (was man z.B. mit einer Flasche Wein jederzeit überprüfen kann), aber umgedreht dürfte das nicht gehen. Der genaue Wirkmechanismus des Placebo wird mit so einem Basismodell aber sehr schwierig zu erklären sein - seine Existenz ist aber belegt.

Eine weitere Erforschung oder gar wesentlich weiterentwickelte Nutzbarmachung dessen, was die westliche Medizin nur als Placebo abtut, ist mit naturwissenschaftlicher Methodik gar nicht möglich und passiert deswegen auch nicht. Das schließt aber nicht aus, daß es mit anderen Herangehensweisen durchaus zu anwendungstauglichen Entwicklungen kommen könnte.

Meiner Meinung nach ist unsere westliche Medizin für Akuttherapie und Unfallversorgung unerreicht, hat aber erhebliche Defizite in der Behandlung langfristiger, gerade auch psychosomatischer Krankheiten (die es mit Bewußtsein als reiner Folge übrigens auch nicht geben dürfte). Wenn also weder Krankheit noch Therapie mit der vorhandenen Methodik erforschbar sind, dann sind Defizite das zu Erwartende. Daß andere auf diesem Gebiet mit anderen Ansätzen weiter kommen können, ist dann auch keine große Überraschung.

Ich denke, daß in der Ecke, wo derzeit verschämt "Placebo" draufgeschrieben wird, noch so Einiges zu finden sein könnte. Die Frage ist allerdings, wie man das seriös erforschen soll, denn die naturwissenschaftliche Methodik wurde ja nicht ganz grundlos so gewählt.


~ a star is nothingness disguised as light ~

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#6

RE: Esoterik

in Offtopic Forum 22.01.2012 23:15
von Baeretta | 151 Beiträge

Zitat von guy_inkognito
Suche ein gutes knackig-kurzes Buch bis 200 Seiten das, wenn möglich, asiatische Philosophie zum Thema hat, danke



Lao Tse: Tao Te King.




Wer nichts weiß, muss alles glauben.

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#7

RE: Esoterik

in Offtopic Forum 01.07.2013 19:07
von fledermaus94 | 6 Beiträge

Ich finde Esoterik schwachsinnig und konnte
nie irgendwas damit anfangen


zuletzt bearbeitet 01.07.2013 19:22 | nach oben springen

#8

RE: Esoterik

in Offtopic Forum 05.08.2013 00:45
von Too Mega Therion | 53 Beiträge

Esoterik=Placebo!
Oh!
Vince Ebert hat das mal sehr schön erklärt:
Wenn man behauptet, im Kühlschrank sei Bier! Und man schaut nicht nach, sondern glaubt es einfach! Das ist Theologie, bzw. Religion!
Wenn man behauptet, im Kühlschrank sei Bier und man schaut nach! Dann ist das Wissenschaft!
Behauptet man aber, im Kühlschrank sei Bier, man schaut nach, findet keins und es wird trotzdem behauptet es sei Bier da! Das ist Esotherik!
HIHIHI!


DO, WHAT THOU WILT, SHALL BE THE WHOLE OF THE LAW!
LOVE IS THE LAW! LOVE UNDER WILL!!
EVERY WOMAN AND EVERY MAN IS A STAR!!!

zuletzt bearbeitet 05.08.2013 00:52 | nach oben springen

#9

RE: Esoterik

in Offtopic Forum 04.01.2017 11:16
von Elimro | 19 Beiträge

Es gibt unterschiedliche Arten von Esoterik, wobei einiges davon eigentlich gar keine Esoterik ist, sondern psychologisch verquarstes Geschwurbel, das oft werbestrategisch vermarktet und in jeder Buchhandlung feilgeboten wird. Richtige Esoterik hat etwas mit innerlicher Reifung zu tun und das Erkennen höherer Zusammenhänge. Viele okkulte Werke wurden verschlüsselt geschrieben und lassen sich nur symbolisch in okkulter Sprache sinnvoll deuten, da gehören sogar auch Teile der Bibel dazu, da wäre z.B. die Offenbarungen des Johannes als ein herausragendes Beispiel zu nennen. Man kann okkulte Sprache in manchen öffentlichen Werken finden, wenn man sie denn zu deuten versteht.
Ansonsten finden Anfänger die klarsten esoterischen Lehren in der Theosophie, Anthroposophie und der Hermetik. Viele moderne esoterische Autoren piken sich eine bestimmte kleine esoterische Erkenntnis heraus, reißen sie aus den ursprünglichen Zusammenhängen und schreiben ein ganzes Buch mit psychologisch verschwurbelter Sabbelei dazu, so als wäre es eine ihrer sensationellsten Erkenntnisse. Bei weltanschaulichen Analphabeten kommt das meist ganz gut an und wird auch schnell mal ein Bestseller.


zuletzt bearbeitet 04.01.2017 11:58 | nach oben springen

#10

RE: Esoterik

in Offtopic Forum 04.01.2017 19:41
von S_J | 454 Beiträge

Zitat von Elimro im Beitrag #10
Richtige Esoterik hat etwas mit innerlicher Reifung zu tun und das Erkennen höherer Zusammenhänge.

Das kommt darauf an, welcher Definition von "Esoterik" man folgt. Es gibt in der Religionswissenschaft das Konzept des "esoterischen" Wissens in dem Sinne, dass es sich dabei um das Wissen handelt, das innerhalb einer Gruppierung nur einem inneren, eingeweihten Kreis zur Verfügung steht.
Aus der Perspektive ist die "richtige" Esoterik dann immer das, was die jeweilige Gruppierung für richtig hält. Und das kann durchaus etwas sein, das in unserem kulturellen Umfeld als "hanebüchener Unsinn" zu bezeichnen wäre.

Und was sind denn die "ursprünglichen" Zusammenhänge der von dir genannten Ausrichtungen? Elitäre Kreise, aus ihrem damaligen Kontext her teils deutlich rassistisch (Rudolf Steiner und Konsorten), in denen Vorurteile zu Dogmen oder festen Glaubenssätzen deklariert wurden, ohne irgendwelchen Sinn dafür, derartiges hinterfragen zu wollen, zu dürfen oder gar zu sollen.

Es gibt in dem Sinne auch nicht "die" okkulte Sprache. Es gibt mehr oder weniger große Grüppchen, die ihre eigenen Begrifflichkeiten erfunden oder herausgebildet haben, um teils ähnliches, teils aber eben auch verschiedenes zu beschreiben. Und wenn diese Grüppchen nicht zu guten Anteilen auf dieselben Personen zurückgehen, kann es auch leicht passieren, dass in ihnen Konzepte auftauchen oder entwickelt werden, die es anderswo so schlichtweg nicht gibt. Je weiter kulturell voneinander getrennt, desto größer die Unterschiede.

Einer der ersten "Lehrer" zum Thema Okkultismus, den ich in diesem Leben hatte (er war übrigens alles in allem ein mieser Lehrer), vertrat die Ansicht, Esoterik und Okkultismus seien im Grunde dasselbe. Sicherlich kann man das so sehen. Aber nachdem okkult einfach alles ist, was verborgen aka nicht offensichtlich ist, kann man selbst daraus leicht den Schluss ziehen, dass es so etwas wie einen vereinheitlichten Okkultismus nicht gibt.
"Niemand beherrscht die Welt" ist als Bild dazu vielleicht übertrieben. Aber nur, weil verschiedene Menschen verschiedene Herangehensweisen haben, um sich ein Weltbild ab der Norm zu basteln, sprechen die sich nunmal nicht darüber ab, was in dieses Weltbild alles soll.
Parallelen ergeben sich wohl eher aus der Zeit und der Kultur, der das Ganze entstammt. Aber das hat dann schon wieder nichts mehr mit Individualität zu tun. Und, der allgemeinen Präsenz wegen, wohl auch weder mit echter Esoterik (im Sinne von Weisheiten innerer Kreise) noch mit Okkultismus (im Sinne dessen, was eben nicht offensichtlich ist).

Möglicherweise gibt es keine absolute Wahrheit.


zuletzt bearbeitet 04.01.2017 19:44 | nach oben springen

#11

RE: Esoterik

in Offtopic Forum 04.01.2017 20:59
von Elimro | 19 Beiträge

Sicher gibt es auch noch andere Definitionen von Esoterik, habe ich auch nicht in Abrede gestellt.

Als Okkultist bezeichne ich einen "Erkennenden des Verborgenen", also jemand, der verborgene Zusammenhänge hinter der sichtbaren Welt durch unterschiedliche magische Praktiken und Offenbarungen auf seine Weise zu schauen sucht oder zu erkennen vermag. In der westlichen Esoterik werden vielfach die selben Ziele verfolgt. Esoteriker versuchen oft ihre Weltanschauung in einer Ganzheitlichkeit zu begründen und die Welt aus irdischen und überirdischen Einflüssen auf unterschiedlichen Ebenen begreifen zu lernen. Ähnliche Wege beschreiten auch viele Okkultisten, deshalb sind die Übergänge manchmal schon fließend.


Zitat von S_J im Beitrag #11


Möglicherweise gibt es keine absolute Wahrheit.


Die Formulierung "möglicherweise" hört sich schon besser an, denn manche behaupten ja oft mit fundamentalistisch geschwellter Brust, dass ALLES relativ sei oder dass es KEINE absolute Wahrheit gibt, womit man ja wieder eine absolute Wahrheit postuliert, nämlich dass es keine absolute Wahrheit gibt.

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#12

RE: Esoterik

in Offtopic Forum 05.01.2017 09:49
von S_J | 454 Beiträge

Zitat von Elimro im Beitrag #11
Als Okkultist bezeichne ich einen "Erkennenden des Verborgenen", also jemand, der verborgene Zusammenhänge hinter der sichtbaren Welt durch unterschiedliche magische Praktiken und Offenbarungen auf seine Weise zu schauen sucht oder zu erkennen vermag.

Gut, nach der Definition ist allerdings Vieles, was auf dem mehr, aber auch auf dem weniger kommerziellen Markt stattfindet, nicht das, was du so nennen würdest.

Zitat
In der westlichen Esoterik werden vielfach die selben Ziele verfolgt. Esoteriker versuchen oft ihre Weltanschauung in einer Ganzheitlichkeit zu begründen und die Welt aus irdischen und überirdischen Einflüssen auf unterschiedlichen Ebenen begreifen zu lernen. Ähnliche Wege beschreiten auch viele Okkultisten, deshalb sind die Übergänge manchmal schon fließend.


Mein Eindruck ist da doch eher, dass Esoteriker die Tendenz haben, mit der Komplexität der Welt überfordert zu sein, und sich in dem Versuch ergehen, sich eben dieser Komplexität mithilfe eines einfach gestrickten Weltbildes zu entledigen.
Im Gegensatz zu einer modernen Wissenschaft, die an sich den Anspruch hat, tatsächlich und aktiv zu hinterfragen, zu untersuchen, Konzepte umzuwerfen und bis ins letzte Detail aufzuklären zu versuchen, wie Dinge wirklich funktionieren, tendiert sowohl der moderne Okkultist als auch der moderne Esoteriker eher dazu, Dinge, die er oder sie nicht versteht, für unwichtig zu erklären, und sich stattdessen antiquierten Kosmologien zuzuwenden, die von der Wissenschaft ja nicht etwa deswegen nicht weiter verfolgt wurden oder würden, weil sie so überlegen sind, sondern weil sie sich im Hinblick auf materielle Zusammenhänge als nicht tauglich erwiesen haben.

Es ist nunmal deutlich komplizierter, echte Atome zu erforschen statt die Transformation von Blei zu Gold, und es ist ungleich viel kostenintensiver und deutlich mehr Arbeit, einen Leichnam zu sezieren und ggf. anhand von Blutproben die materielle Todesursache herauszufinden, als stattdessen bloß von "Körpersäften" zu faseln, die nicht mehr im Gleichgewicht waren.
Man braucht mich übrigens nicht darauf hinweisen, wie man heutzutage diese Blei-Gold-Sache wieder hinzubiegen versucht, um dem krassen Gegensatz zur tatsächlichen chemischen Forschung auszuweichen. Solche Versuche haben Anhänger der Alchemie erst nötig, seit die wissenschaftliche Chemie von ebendieser unterschieden wird.

Religion und Esoterik dienen häufig einfach der Selbstberuhigung, und haben ihren Zweck erfüllt, wenn das erreicht ist. Man mag sich damit wohler fühlen, wenn man sich einredet, das beruhigende Bild sei dann eben auch wirklich das Wahrere, Tiefgründigere. Aber am Ende ist Leben nicht so simpel, wie Esoteriker es gern haben möchten. Insbesondere nicht als das soziale Raubtier, das wir sind, mit dem natürlichen und leider wohl angeborenen Konflikt zwischen sozialen und egoistischen Trieben, die es einfach nicht erlauben, Dinge zu tun, die absolut betrachtet "richtig" sind.
Man kann froh und dankbar sein, wenn die Umstände diesen Konflikt nicht allzu deutlich heraustreten lassen. Aber ich schätze, wir leben in einer Zeit, in der Egoismus sich zu gut mit einer übergeordneten Sozialstruktur vereinbaren lässt, als dass man dem dauerhaft entgehen könnte.

Das soll alles nicht bedeuten, dass ich nicht davon ausgehe, dass es mehr geben würde als das, wovon der aktuelle Stand der Wissenschaft ausgeht. Ich bin religiöser Satanist/Sethianer, aus meinen eigenen Erfahrungen heraus, und ich denke, eine Offenheit für das Potential zu "mehr als wir wissen" ist durchaus nichts Schlechtes - ganz im Gegenteil, ohne diese Einstellung würde es Fortschritte auch in der etablierten Wissenschaft überhaupt nicht geben. Bloß ist das eben nicht gerade die gängige Perspektive moderner Esoteriker und Okkultisten. Und so betrachtet spricht die deutliche Abneigung ebendieser gegenüber moderner Wissenschaft und der modernen Medizin (in dem Kontext gern herabwürdigend als "Schulmedizin" bezeichnet) die deutliche Sprache, dass es diesen Menschen um Ganzheitlichkeit ebensowenig geht wie um ein Bild, das so viel von der Welt erfassen möchte, wie nur möglich.
In einem Punkt also stimme ich dir schlussendlich zu: Gemeinsamkeiten gibt es in der Hinsicht in der esoterisch-okkulten Szene ganz gewiss. Die dürften allerdings dann eher in dem liegen, was abgelehnt wird, denn in dem, was die Betreffenden tatsächlich glauben.
Und auch das sagt über beide Strömungen am Ende dann wohl eine ganze Menge aus.


zuletzt bearbeitet 05.01.2017 09:51 | nach oben springen

#13

RE: Esoterik

in Offtopic Forum 05.01.2017 11:26
von Elimro | 19 Beiträge

Ich denke, man kann das nicht so verallgemeinern.
Es gibt durchaus esoterische Strömungen, die sich als sinnhafte Ergänzung zu den Naturwissenschaften verstehen. In der Wissenschaft wird fast ausschließlich funktional gedacht, was für die meisten ja schon so selbstverständlich geworden ist, dass nicht selten erstaunlich gefragt wird, wie man denn sonst noch denken könne, ohne sich gleich in Spinnereien oder Phantasien zu verlieren.

In der Esoterik denkt und bezieht man sich mehr auf das Inhaltliche, also man fragt hauptsächlich nach dem "Warum" und nicht nur nach dem "Wie". Das Warum ist hier vor allem die Frage nach der Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens und des Lebens an sich, wo ein rein naturwissenschaftliches Weltbild für viele nicht ausreicht. Die Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens oder gar des Lebens an sich kann sich allerdings immer nur dem einzelnen als "Wahrheit" offenbaren.

Die Wissenschaft ist ja übertragbar, doch wirkliches Wissen nicht. Nicht selten wird Wissen mit ungerichteten und völlig unwichtigen Wissenskomplexen verwechselt. Wirkliches Wissen ist immer nur das Ergebnis eigener Erfahrungen und kann somit weder weitergereicht noch übernommen werden. Denn alles was man von anderen übernimmt, kann man lediglich glauben, doch niemals wissen. Ganz egal, ob man sehr gute Gründe dafür zu haben glaubt. Glauben heißt: nicht wissen. Auch Wahrscheinlichkeitsrechnungen ändern da rein gar nichts dran. Nicht dass ich Glaube an sich als schlecht ansehe, denn er kann auch eine sinnvolle und nützliche Technik darstellen. Auch ist der Glaube oft eine wichtige Voraussetzung, um Wissen erlangen zu können.

Als Esoterik bezeichne ich eher einen inneren Weg der persönlichen Sinnsuche, die über das heutige wissenschaftliche Weltbild hinausgeht. Doch ist dieser Weg individuell, da eine Sinnsuche nun mal eine ganz individuelle Angelegenheit ist. Natürlich tummeln sich auf dem esoterischen Markt unzählige vorgefertigte Lehren und Philosophien sowie Leute, die mit den Naturwissenschaften auf Kriegsfuß stehen, doch kann man das eben nicht verallgemeinern.


zuletzt bearbeitet 05.01.2017 11:50 | nach oben springen

#14

RE: Esoterik

in Offtopic Forum 07.01.2017 12:26
von Amalia LeFay | 13 Beiträge

Ich würde Esoterik auch eher als einen individuellen Weg zur spirituellen Entfaltung und Selbstfindung ansehen.

Es macht auch keinen Sinn, sich von einer Wissenschaft die sich lediglich darauf beschränkt die Materie zu erfoschen, jene Bereiche erklären zu lassen, die mit Materie meist kaum etwas zu tun haben, außer wenn es sich vielleicht um eher feinstoffliche Bereiche handeln könnte. Wenn man jetzt darauf schließt, weil die Wissenschaft eben nur mit Materie umgehen kann und diese ausschließlich zu erforschen in der Lage ist, dass es außerhalb der Materie nichts geben kann, befindet man sich schnell im Dogmatismus wieder, der ruck zuck religiöse Züge annimmt
Auch die Naturwissenschaften bauen ihre Wahrheiten letztendlich auf einen Glauben auf. Das geschieht in fast allen Bereichen so und letztlich macht es jeder Mensch. Der Glaube kann hier sehr vielseitig sein - vom Glauben an Kausalität bis hin zum Glauben an Materialismus. Aus Glauben diesem heraus erzeugen sie dann letzendlich ihre Wahrheiten. Ich will damit gar nicht einen Wahrheitsgehalt absprechen, aber er ist meist nicht minder erst aus einem Glauben heraus gewachsen.

Es gibt in der Esoterik sicher Spinner und Wichtigtuer, aber diese findet man auch unter Naturwissenschaftlern. Das hat dann weniger mit der Sache an sich zu tun, sondern viel mehr mit den jeweiligen Vertretern. Man nehme einen Arzt, der nicht sagen will oder kann, was man denn nun hat und dann anfängt an den Symptomen herumzudoktern, da käme man auch nicht gleich auf die Idee zu sagen: " Siehe da, so ist Schulmedizin". Nee, so ist dieser Arzt.


zuletzt bearbeitet 07.01.2017 12:46 | nach oben springen

#15

RE: Esoterik

in Offtopic Forum 09.01.2017 19:29
von Belial666 | 78 Beiträge

Esoterik (von altgriechisch ἐσωτερικός esōterikós ‚innerlich‘, ‚dem inneren Bereich zugehörig‘) ist in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs eine philosophische Lehre, die nur für einen begrenzten „inneren“ Personenkreis zugänglich ist, im Gegensatz zu Exoterik als allgemein zugänglichem Wissen.

Ein gemeinsamer Nenner verschiedener Esoteriker ist das Gesetz der Anziehung, dass man das bekommt, was man denkt. Ausserdem machen sie alle auf "verzeihen ist die Lösung zur Selbstheilung" was ich für quatsch halte. manche dinge kann man nicht verzeihen. das ist so der Tenor, den ich aus den ganzen esoterischen Büchern herauslese.


zuletzt bearbeitet 09.01.2017 19:35 | nach oben springen


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