#1

Liebe deinen nächsten wie dich selbst?

in allgemeine, religiöse Themen 08.01.2017 19:53
von Boqueron | 11 Beiträge

Hallo in die Runde,

Habe hier vor kurzem in einem thread eine Diskussion zu Jesus gelesen, weiß leider nicht mehr in welchem.

Nunja, dort war einer der Meinung, dass Jesus doch eigentlich ein ganz dufter typ gewesen sein muss, so Hippie mäßig und nur wollte, dass sich alle super lieb haben und in Frieden leben, und das wäre doch toll wenn alle so drauf wären.

Die andere Seite meinte eben, dass dieses Prinzip, unter anderem der Spruch oben, ja eben in der Praxis nicht funktioniert, und deswegen müsste man eben andere Prinzipien anwenden, wenn man denn seine Ziele erreichen wollte.

Ich bin nicht Bibel-fest, und weiß nicht wie Jesus diesen Spruch tatsächlich gemeint hat, wollte aber mal eine andere Interpretation in den Raum stellen, die sich nicht auf das alltäglich-zwischenmenschliche bezieht. Nehmen wir mal an, unsere einzelnen Atome, Zellen etc. hätten ein Bewusstsein und Gedanken. Würde es dann innerhalb unseres Körpers immer harmonisch zu gehen und alle sich auf Atom, Zellen, Organ etc. Ebene friedlich die Hände reichen? Vermutlich nicht. Wenn wir uns selbst lieben, meinen wir dann in aller Regel trotzdem uns als ganzes, inklusive all dieser Zellen mit all ihren Konflikten auf unteren Ebenen? Meistens schon, oder? Wenn nun eine Zelle irgendwie einen Zugang zum gesamtkomplex, also zu mir als Menschen bekommen könnte, und feststellen würde, dass sie mich liebte, dann würde sie ja damit auch implizit jede ihrer Nachbar Zellen lieben, selbst wenn sie Zelle Heinz-Peter als Persönlichkeit im zwischenmenschlichen Alltag total scheiße findet und sich tagtäglich mit ihr in Ausübung ihrer Funktion innerhalb des kollektives zofft. Sie kann doch aber trotzdem erkennen, dass beide innerhalb des gesamtkomplexes ihre Funktion haben und diese Zelle somit gleichzeitig auf der einen Ebene hassen, und auf der anderen Ebene lieben.

Ich meine Rafa hat ja auch eine ähnliche Gott Vorstellung, ein Gott ergibt sich als gesamtkomplex der einzelnen Köpfe, die ihn denken!

Rafa könnte sich nun doch einerseits auf der persönlichen Ebene mit Satanist Igor aufs heftigste bekriegen, ihn als ein und wenn auch noch so kleiner teilbestandteil Satans aber indirekt über ihre Liebe zu Satan eben in diesem Aspekt auch lieben, selbst wenn ihr das im Alltag nicht bewusst ist.

Vielleicht gibt es auch auf dieser Götter Ebene wieder eine höhere, mehrere Götter umfassende Ebene (man denke an die Idee von Abraxas der Gott und Teufel vereinen soll).

Denkt man diesen Gedanken zu ende, könnte man irgendwann zu einem gesamt-bewusstsein kommen, das sich über sämtliche Lebewesen, Götter und Universen erstreckt. Würde nun jemand dieses all-bewusstsein wahrnehmen, so könnte er dieses doch genauso lieben, wie bspw. Rafa Satan als gesamtbewusstsein aller Satanisten ihrer Art liebt, und würde somit von dieser makro-ebene aus tatsächlich indirekt alle einzelteile lieben und vermutlich als notwendig erkennen, genau wie auch jedes unserer, auf ihrer Ebene womöglich im Widerstreit stehenden Zellen für den gesamtorganismus notwendig sind.

Was wenn Jesus einfach einen Zugang zu diesem allumfassenden Bewusstsein gefunden hat, und diesen Ausspruch in diesem Kontext gemeint hat?

Wie würdet ihr dann dazu stehen?

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#2

RE: Liebe deinen nächsten wie dich selbst?

in allgemeine, religiöse Themen 09.01.2017 22:05
von Liu | 108 Beiträge

Das ist mal ein interessantes Thema, finde ich.
Mir stellt sich jedoch eher die umgekehrte Frage, wenn man so will. Nämlich, in welchem Maße ist es überhaupt möglich, Satan, oder überhaupt irgendeine Gottheit, vollständig zu lieben, wenn man doch immer nur bestimmte Aspekte davon überhaupt wahrnimmt/begreift?

Da ich kein Duotheist bin, ist es in meinem System nicht notwendig, von einem Abraxas-Konzept auszugehen; das was ich Satan nenne, ist bereits sozusagen die höchste Ebene - zumindest in der Theorie. Aber die Anteile davon, zu denen ich mich hingezogen fühle, oder überhaupt irgendwie wahrnehme, sind natürlich immer nur bestimmte Teilbereiche, sodass in der Praxis mein Konzept von Satan dem von Rafa wahrscheinlich gar nicht so unähnlich ist.

Ich bin mir jedoch weniger sicher, ob dieses Konzept sozusagen irgendetwas objektiv Existierendes darstellt, allein schon deswegen, weil sich trotz allem die Konzepte, die SatanistInnen von Satan haben, sehr voneinander unterscheiden, wie soll sich daraus ein zusammengehöriges Wesen bilden? Wodurch würde sich ergeben, welche der Konzepte dazugehören und welche außenvorbleiben?
Nehmen wir aber mal an, dass es dieses Wesen gibt und sich tatsächlich aus der Gesamtmenge der Konzepte der SatanistInnen, die es denken, ergibt. Dann würde jede/r SatanistIn immernoch bloß sein/ihr eigenes Bestandteil von Satan wahrnehmen (plus was andere über Satan sagen/schreiben, plus möglicherweise direkt von Satan erhaltene Informationen, falls das geht), nie jedoch das Ganze, denn es wäre viel zu komplex.

Aber ich bin gespannt, die Meinungen anderer hier dazu zu lesen.

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#3

RE: Liebe deinen nächsten wie dich selbst?

in allgemeine, religiöse Themen 12.01.2017 20:20
von Belial666 | 78 Beiträge

als dunkler Berufspessimist bin ich natürlich auch Misanthrop und liebe nur mich, sonst niemanden


dunkler Berufspessimist
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#4

RE: Liebe deinen nächsten wie dich selbst?

in allgemeine, religiöse Themen 02.04.2017 14:46
von Sokar | 11 Beiträge

Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, oh je....

Ich persönlich konnte noch niemals begreifen, wie man so etwas wie ein "Teil des Ganzen" sein kann... Ich bin kein reiner Satanist, ich glaube an vieles, und dennoch ist mir diese All-Liebe der Weißlichtreligionen schon immer total artfremd gewesen. Ich bin eine abgeschlossene Persönlichkeit, ein ICH, ein Geist oder wie auch immer man das nennen will, und obwohl man das aus objektiver Sicht natürlich anzweifeln kann, stehe ich doch aus meiner persönlichen Sicht im Zentrum des Universums!
Ich neige stark zum subjektiven Idealismus. Und warum sollte mich zum Beispiel interessieren, was irgendwo in Afrika oder am anderen Ende der Welt geschieht? Ist das nicht widernatürlich?

Wenn man unter den Nächsten seine Liebsten versteht, dann kann ich das nachvollziehen. Zuerst komme ich, danach Menschen, die ich liebe, danach das deutsche Volk, danach die westliche Gesellschaft (Westeuropa und die USA). Der Rest, die unterentwickelte dritte Welt, ist mir völlig egal. Sie alle sind nur da, um uns zu dienen, weil wir die Stärkeren und sie die Schwächeren sind. Es gibt Könige und es gibt Sklaven. Warum sollte ich die Sklaven lieben, wenn ich doch ein König bin?
"...auf den niederen Menschen trampelt in der wilden Lust eures Stolzes am Tag eures Zorns. Ihr seid gegen das Volk, O meine Erwählten!" (Liber Al vel Legis)

Ich halte es wie LaVey: wir leben in einem zivilisierten Dschungel, und die vom linksgrünen Abschaum vielfach kritisierte "Ellenbogengesellschaft" ist ein Naturgesetz. So war es immer und so wird es immer sein, weil das in der Natur des Menschen liegt.

Der Egoismus ist natürlich und deshalb gut, der Altruismus dagegen ist unnatürlich, er ist eine Form des Masochismus wie jede Selbstverleugnung und Selbstaufopferung. Jedenfalls konnte ich die Sinnhaftigkeit der altruistischen Einstellung noch niemals nachvollziehen, weder damals als Kind noch später als Erwachsener. Dazu fehlt mir jedes Verständnis.


Sage deinem Herzen: ich bin mein eigener Erlöser!
(A. S. LaVey, Satanische Bibel)
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#5

RE: Liebe deinen nächsten wie dich selbst?

in allgemeine, religiöse Themen 07.04.2017 22:57
von Daelach | 1.214 Beiträge

Ob Egoismus Sinn ergibt oder nicht, hängt sehr von der Situation ab. Wenn es so aussieht, daß man überreichlich Ressourcen hat, aber das Problem lautet, sie zu erlangen, dann ist Egoismus nicht zielführend. Das ist die Situation, die man z.B. im Outback hat. Wenn andererseits das Gewinnen der Ressourcen kein Problem ist, aber zuviele Nachfrager da sind, dann ist Ellbogen sinnvoll. Je mehr Menschen da sind, desto wertloser wird der einzelne anonyme Mitmensch.


~ a star is nothingness disguised as light ~
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